Rechtsorientierter Anwalt

Von Anton Maegerle
27.06.2019 -

Verteidiger von Stephan E., dem mutmaßlichen Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, ist Rechtsanwalt Dirk Waldschmidt aus dem hessischen Schöffengrund.

Rechter Anwalt mit einschlägiger Klientel; Photo (Symbol): Tim Reckmann / pixelio

Waldschmidt (Jg. 1965) war wie sein Mandant Stephan E. in der NPD engagiert. Zuletzt wurde Waldschmidt im Mai 2006 auf dem Landesparteitag der hessischen NPD zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt. Zeitweilig leitete der Jurist die Rechtsabteilung der hessischen Nationaldemokraten. Zu seinen Klienten gehörten unter anderem der einstige hessische NPD-Landesvorsitzende Marcel Wöll, die langjährige hessische NPD-Funktionärin Doris Zutt, der spätere Mannheimer NPD-Stadtrat Christian Hehl und der Neonazi Kevin Schnippkoweit von den „Freien Kräften Schwalm-Eder“. 2016 verteidigte Waldschmidt den Kasseler Neonazi Bernd T., Anführer der Neonazi-Truppe „Sturm 18“.

2014 führte der frisch gegründete „Stützpunkt Westerwald“ der Neonazi-Partei „Der III. Weg“ zum laufenden AB Mittelrhein-Prozess („Aktionsbüro Mittelrhein“) eine Rednerveranstaltung mit dem Rechtsanwalt Dirk Waldschmidt und mehreren Angeklagten durch. 2014 trat Waldschmidt auch beim Münchner NSU-Prozess in Erscheinung. Als Zeugenbeistand vertrat er den Neonazi Andre Kapke. Kapke hatte in der Jenaer Neonazi-Szene Kontakt zu den mutmaßlichen späteren Terroristen des NSU. Waldschmidt sagte vor Gericht, sein Mandant könne sich schlecht erinnern, sei mithin ein schutzbedürftiger Zeuge.

Mehrfach trat Waldschmidt bei Wahlen als Kandidat für die NPD an. Im März 2006 erzielte er 3,5 Prozent bei der Wahl zum Bürgermeister in Altenstadt. 1,9 Prozent erreichte er im Januar 2007 bei der Wahl zum Bürgermeister in Butzbach. Im Januar 2008 kandidierte Waldschmidt im Wetteraukreis, nördlich von Frankfurt gelegen, für das Amt des Landrates. Drei Prozent der Wähler votierten für ihn. Im gleichen Monat trat Waldschmidt auch als Kandidat bei der hessischen Landtagswahl an. In den Jahren 2006 und 2007 wurde Waldschmidt namentlich im Kapitel Rechtsextremismus des hessischen Verfassungsschutzberichtes erwähnt.