Rechtsextremes Sportmeeting in Sachsen

Von Horst Freires
30.08.2018 -

Am 15. September soll wieder das „Ostsächsische Sport- und Familienfest“ stattfinden. Werbung macht dafür unter anderem der niedersächsische NPD-Führungskader Gianluca Bruno.

„Ostsächsisches Sport- und Familienfest“ in dritter Auflage; (Screenshot)

Aus Sicht zahlreicher Rechtsextremisten bedarf es in der täglichen Auseinandersetzung mit dem System und dem politischen Feind nicht nur eines gesunden Geistes, sondern auch eines gesunden und durchtrainierten Körpers. Für Letzteres soll körperliche Ertüchtigung sorgen. Nicht nur selbst organisierte rechte Kampfsport-Events haben daher Kultur, sondern auch eigene Sportfeste. Zum dritten Mal soll es jetzt am 15. September das „Ostsächsische Sport- und Familienfest“ geben.

Beworben wird es unter anderem vom niedersächsischen NPD-Führungskader Gianluca Bruno. Nähere Einzelheiten über die Wettkämpfe oder die angebotenen Freizeitmöglichkeiten sind öffentlich nicht zu erfahren. Auch die genaue Örtlichkeit wird nicht benannt. Vieles spricht dafür, dass man sich in Ostritz versammelt. Bruno gilt als enger Weggefährte des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Thorsten Heise.

Kinder und Jugendliche mit Luftgewehren

Die erste Auflage des rechtsextremen Sportmeetings fand im sächsischen Quitzdorf auf dem Gelände des Niederschlesischen Feriendorfes statt. Dort wurde zum Wettstreit in „alten Disziplinen“ eingeladen. Beobachtet wurden Kinder und Jugendliche, die mit Luftgewehren schossen. Im Internet wurden später dazu verteilte Urkunden abgelichtet.

Im vergangenen Jahr traf man sich zur zweiten Zusammenkunft auf dem weitläufigen Grundstück des Hotels „Neißeblick“ in Ostritz. Dabei traten dann am Abend mit „Exzess“, „TreueOrden“ und „Feuerbefehl“ auch drei Rechtsrock-Bands auf. Was zu dem Zeitpunkt noch niemand ahnte: Der Sportfest-Konzertverlauf bildete quasi die Generalprobe für die diesjährige Premiere des von Thorsten Heise organisierten „Schild & Schwert-Festivals“ am 20. und 21. April am selben Ort. Und für den 2. und 3. November wird von Heise in Ostritz bereits eine Folgeveranstaltung unter gleichem Titel mit dem Motto „Für Frieden und Freiheit“ angekündigt.  

Baumstämme stemmen beim „Horn der Barbaren“

Das erlebnisorientierte Angebot zielt insbesondere auf junge Neonazis, aber auch muskelbepackte „Brigade 8“-Angehörige, die auf Neonazi-Konzerten beim Aufbau und als Security arbeiten, hat das Sportfest angezogen. Germanische Mehrkämpfe gehörten auch zum Portfolio der 2009 verbotenen neonazistischen „Heimattreuen Deutschen Jugend“. Entsprechende Sportvergleiche fanden vor einigen Jahren zudem auf dem Gehöft von Klaus Mann, zuletzt aktiv bei der Partei „Die Rechte“, im brandenburgischen Finowfurt statt. Für Anfang August 2018 wurde zuletzt ein so genannter „Horn der Barbaren“ in rechten Kreisen beworben. Als Disziplinen tauchten dort unter anderem auf: Steinstoßen, das Stemmen von Baumstämmen und Tauziehen.

Die neonazistische Kampfsport-Szene blickt unterdessen auf die diesjährige Ausgabe vom „Kampf der Nibelungen“, die erstmals offiziell in Kooperation mit dem rechtsradikalen russischen Label „White Rex“ veranstaltet wird. Als Termin ist dafür der 13. Oktober ausgeguckt. Als Ortsangabe im Zuge der konspirativen Vorbereitung muss die vage Beschreibung „Mitteldeutschland“ herhalten. Das erstmals am 9. Juni im sächsischen Grünhain mit 15 Kämpfen ausgetragene „Tiwaz“-Turnier soll nach eigener Aussage der Veranstalter im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden.

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