Rechtsextremer Strippenzieher und „Wutbürger“

Von Michael Klarmann
01.08.2019 -

Mönchengladbach – Angesichts des Mordes an einem Kind in Frankfurt durch einen Mann aus Eritrea, der mit seiner Familie in der Schweiz lebte, soll Anfang September in Nordrhein-Westfalen ein zentraler rechter Aufmarsch stattfinden.

Erneut fremdenfeindlicher Aufzug in Mönchengladbach geplant; (Screenshot)

Strippenzieher ist dabei abermals Dominik Roeseler, Ex-Funktionär von „pro NRW“ und Mitgründer der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa), zugleich Ratsmann in Mönchengladbach. Roeseler ist Chef des rechtsextremen Vereins „Mönchengladbach steht auf“, der vor Tagen erstmals angesichts der Tat in Frankfurt sowie weiterer Taten von beziehungsweise Vorfällen mit Migranten einen zentralen Aufmarsch in NRW angekündigt hatte. Dieser wird nun seit Mittwochabend offiziell beworben und soll am 8. September in Mönchengladbach unter dem fremdenfeindlichen und rassistischen Motto „Fremde Täter. Einheimische Opfer. Stoppt die Gewalt!“ stattfinden.

Inoffizielle Weiterentwicklung der „Patrioten NRW“

Als Mitorganisatoren werden die Initiative „NRW stellt sich quer“ sowie das vermeintlich neue Medienprokjekt „Deutsche Patrioten“ angegeben. Letztgenanntes war vor Jahren u.a. eine zeitweise von Roeseler selbst mit betriebene Facebook-Seite gleichen Namens, die er nun offenbar wiederbelebt hat. „NRW stellt sich quer“ kann als eine Art inoffizielle Weiterentwicklung oder Umwandlung von Aktivisten gelten, die zuvor als „Patrioten NRW“ auftraten und fremdenfeindliche und rechtsextreme Versammlungen organisierten oder unterstützten.

Der rechtsextreme Verein „Mönchengladbach steht auf“ und Roeseler hatten bis vor geraumer Zeit noch die Taktik verfolgt, sich angesichts des französischen Originals und des medialen Hypes als „Gelbwesten“ zu tarnen. Als das keinen Erfolg mehr versprach, trat man wieder ähnlich einer neuen HoGeSa- und „Pegida“-Bewegung auf. (bnr.de berichtete) Im Vorfeld eines Aufmarsches gegen Salafisten kam es im Mai in Mönchengladbach dabei zu einem Anschlag gegen eine Moschee. (bnr.de berichtete) Im Februar schon hatte Roeselers Verein sich als Schutzmacht für einen AfD-„Bürgerdialog“ präsentiert. (bnr.de berichtete)

AfD-Landtagskandidat aus Brandenburg als Redner

Als Redner angekündigt werden für den neuen Aufmarsch am 8. September Christoph Berndt*, prominent gesetzter Listenkandidat zwei der AfD in Brandenburg und Chef der Initiative „Zukunft Heimat“, der „Identitären“-Aktivist Kai Naggert aus Wesel (Videoprojekt „Ruhrpott Roulette“), Stefanie van L. aus Köln (früher „Patrioten NRW“, nun „NRW stellt sich quer“) und Roeseler, laut Eigendarstellung „Chefredakteur“ seines „DeutschePatrioten.tv“.

Dass ein AfD-Vertreter angekündigt wird überrascht doch, weil Dominik Roeseler im Verfassungsschutzbericht NRW für das Jahr 2018 namentlich genannt wird und man ihn als „langjährigen Rechtsextremisten“ sowie Brückenbauer zwischen Rechtsextremen, Hooligans und „Pegida“ beziehungsweise „Wutbürgern“ einstufte.

NPD ruft zu „Schweigeminuten“ auf

Bundesweit nutzen derzeit verschiedene rechte bis offen rechtsextreme Spektren den Mord im Frankfurter Hauptbahnhof zwecks aggressiver Agitation gegenüber Migranten und Geflüchteten. Unterdessen kam es in verschiedenen Städten schon zu Kundgebungen und „Mahnwachen“ deswegen, ähnliche Aktionen sind angekündigt. Das Spektrum der Veranstalter reicht von „Pegida“-ähnlichen Gruppen, Initiativen mit rechten Hooligans, Rockern und Rechtsextremisten oder AfD-nahen „Wutbürgern“.

In Einzelfällen treten nun auch erneut Personen oder Gruppen wieder in Erscheinung, die bis vor kurzem noch als „Gelbwesten“ auftraten und politisch ihrer Meinung nach weder links noch rechts stehen wollten. Zudem hat die NPD für diesen Samstag zu unangemeldeten „Schweigeminuten“ bundesweit an Bahnhöfen aufgerufen.

*Auf seiner Facebook-Seite hat der Veranstalter jetzt aktuell mitgeteilt, dass Berndt am 8. September nicht als Redner auftreten wird.