Rechtsextremer Strippenzieher und Vernetzer

07.07.2020 -

Essen/Mönchengladbach -  Der Rechtsextremist Dominik Roeseler kooperiert nun mit Rockern, um weiterhin gegen Staat, Behörden und Demokratie agitieren zu können.

Rechtsextremist Roeseler (hier im Februar 2019) war organisatorisch in die Biker-Demo eingebunden; Photo: mik

Unter dem Motto „Für die Freiheit. Gegen Fahrverbote“ mobilisierten für Sonntag der „Partybiker“, Rocker und Sänger von „Ballermann-Songs“, Frank S., sowie eine Initiative „Freiheit 21“ für eine Versammlung an der Grugahalle in Essen. Die Kritik richtete sich gegen drohende Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen. Aus demselben Grund veranstalteten schon am Samstag in verschiedenen Städten Biker und Motorradfahrer größere Protestaktionen.

Die Demonstration in Essen war dem gegenüber anders. Zwar war bis Sonntagmittag nur S. als Kopf von „Freiheit 21“ öffentlich in Erscheinung getreten. Seitdem ist indes klar, dass der Rocker dafür unter anderem mit Roeseler und dessen rechtsextremem Verein „Mönchengladbach steht auf“ kooperiert. Der Selbstdarsteller und dessen Mitstreiter waren organisatorisch eingebunden und hatten den Lautsprecherwagen besorgt. Roeseler beriet S. zudem rechtlich in Versammlungsfragen, war teils für die Öffentlichkeitsarbeit mit zuständig und fungierte als Hauptredner. Seine gewohnt populistische Kritik an Staat, Demokratie und Behörden verwob er dabei mit den Fahrverboten und der anstehenden Verkehrs- und Energiewende.

Mit populären Themen neue Mitstreiter gewinnen

Hatte Roeseler sich als Mitgründer der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) schon vor Jahren bemüht, die rechtsextreme Szene mit Hooligans zu vernetzen, kopierte er Ende 2018 und Anfang 2019 die „Gelbwesten“ und hielt in diesem Frühjahr Versammlungen gegen die Corona-Auflagen ab. Immer wieder nutzt der laut nordrhein-westfälischem Verfassungsschutz „langjährige Rechtsextremist“ populäre Themen, um neue Mitstreiter zu gewinnen und Protestmilieus zu vernetzen. Schwerpunktmäßig trat er dabei bisher als Strippenzieher zwischen Rechtsextremisten, Hooligans und rechtsradikalen bis rechtsextremen Rocker-artigen Gruppen und „Bürgerwehren“ wie den „Steeler Jungs“ aus Essen und der „Bruderschaft Deutschland“ auf. (bnr.de berichtete)

An der Versammlung in Essen am Sonntag nahmen zu Beginn rund 300 Menschen teil. Auch wenn S. betonte, man wolle mit Rassismus nichts zu tun haben, kooperierte er dennoch mit dem wegen einschlägiger Taten justizbekannten Roeseler. (bnr.de berichtete) Der Mönchengladbacher hatte derweil unter seinesgleichen mobilisiert. Mindestens fünf rechte bis rechtsextreme YouTuber waren aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet nach Essen gekommen. Neben einigen bekannten Gesichtern der rechtsextremen Szene, darunter der Kopf von „Pegida Nederland“, Edwin Wagensveld, waren auch „Wutbürger“, Rechtsextremisten und Hooligans angereist. Mitglieder verschiedener Motorradclubs und andere Biker waren demgegenüber dem Ruf des „Partybikers“ S. gefolgt.

Bei dem späteren Aufmarsch durch Essen-Rüttenscheid waren viele Motorradfahrer und Biker gleichwohl dann nicht mehr dabei. Möglicherweise war ihnen aufgefallen, was hinter der selbst ernannten neuen Bewegung „Freiheit 21“ steckt. Unter diesem Label wollen S. und Roeseler weiter aktiv bleiben und auch andere „staatliche Einschränkungen der Freiheit“ zu Protestaktionen nutzen. (mik)