Rechtsextreme Naturschützer

Von Horst Freires
08.12.2017 -

Die braune Szene will die Ökologie als Thema vereinnahmen.

Braunes Gedankengut mit grünem Anstrich; (Screenshot)

Auf der Homepage der neonazistischen Kleinpartei „Der III. Weg“ heißt es: „Umweltschutz ist Heimatschutz“ . Ein Copyright hat sie auf diesen Slogan nicht, denn die Parole tauchte in der Vergangenheit auch immer wieder bei der NPD oder deren Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten auf. Ein jetzt erschienener Ratgeber warnt vor solchen Versuchen, braunes Gedankengut einem „Greenwashing“ zu unterziehen und unter Naturschützern salonfähig zu machen.

Während Rassismus und Nationalismus kontinuierlich die klassischen und dominierenden Hardliner-Positionen im rechten Lager sind, gewinnen immer öfter auch „weichere“ Inhalte wie Umweltschutz und Natur die Aufmerksamkeit durch Aktivisten von Rechtsaußen. Unter anderem darauf schärft die Broschüre „Die Natur des rechtsextremistischen Lebensstils“ von der Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz das Augenmerk. Im Vorwort schreibt die dortige Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Grüne): „Outfit, Musik und Symbole rechtsextremistischer Akteurinnen und Akteure und ihrer Gruppierungen zeigen nicht zufällig den Bezug zu Natur. Er wird gesucht.“

Eckpfeiler eines propagierten rechts-gestylten Lebensmodells

In diesem Zusammenhang darf der Hinweis auf die seit nunmehr zehn Jahren erscheinende Zeitschrift „Umwelt & Aktiv“ des Vereins Midgard e.V. aus Bayern nicht fehlen. Die Schrift liefert immer wieder trügerische Beiträge mit nationalistischen und völkischen Schnittmengen. Entsprechende Beispiele werden in der Aufklärungsbroschüre benannt und analysiert.

Gesunde Ernährung, sportliche Fitness und bewusste Körperkultur jeweils im Einklang mit der Natur sind zunehmend Eckpfeiler eines propagierten rechts-gestylten Lebensmodells. Naturkatastrophen und Erklärungsmythen, das Thema Natur in den Texten der rechten Musikszene, die Bedeutung von Natur für die Kleidung von Rechtsextremisten, Blut- und Boden-Ideologie als Lebensentwurf am Beispiel der „Artamanen“ , die nicht von ungefähr im ökologischen Landbau anzutreffen sind – der 52-seitige Reader berücksichtigt interessante Aspekte im rechtsextremen Kosmos, die sonst weit weniger im Blickpunkt stehen.

Die Broschüre zum downloaden

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