Rechts angehauchter Neofolk

Von Horst Freires
08.06.2018 -

In Leipzig soll am 23. Juni wieder das eintägige Event „Fire & Sun“ stattfinden. Beliebt ist die Veranstaltung besonders bei neurechter Klientel.

Das „Fire & Sun“-Festival dürfte wieder Anhänger der Neuen Rechten anziehen; (Screenshot)

Den 23. Juni haben vermutlich wieder zahlreiche Aktivisten und Anhänger der Neuen Rechten in ihrem Terminkalender notiert. Vor dem Hintergrund, dass offenbar viele Rechtsintellektuelle, oder die sich dafür halten, auf ihre Art eine Vorliebe zum Neofolk, Darkwave und Industrial pflegen, dürfte wie in den Jahren zuvor das eintägige Event „Fire & Sun“ in Leipzig einmal mehr zur Pilgerstätte für neurechte Klientel werden.

2016 hatte es beispielsweise den neurechten Verleger und Vordenker Götz Kubitschek und seine Frau Ellen Kositza zu diesem eintägigen Festival gezogen. Sie nahmen dafür eine etwa einstündige Fahrt bis nach Leipzig in Kauf. Andere legen eine weitaus größere Anreise zurück, um im Schlosspark von Knauthain dabei zu sein. Das Meeting der rechts angehauchten Darkfolk- und Darkambient-Anhänger hat inzwischen eine überregionale Anziehungskraft und wird dementsprechend bereits viele Monate vorher beworben und mit einem Ticketvorverkauf ausgestattet. Als Veranstalter tritt die „Equinoxe Organization“ aus Leipzig auf, die sich seit Jahren als unpolitisch bezeichnet – ein Rechtfertigungsschema, das auch vielfach in der „Oi!“-Punk-Szene nur allzu bekannt ist.

Bekennender Luziferaner auf der Bühne

Gedanklich vereint im Neuheidentum, bei germanischer Mystik und rechter Esoterik, häufig optisch garniert mit themenrelevanter Ästhetik, bietet der rechte Rand des Neofolk eine willkommene Community, die ihre Sehnsüchte zum Teil auch bei Großevents wie den Wave-Gotik-Treffen in Leipzig wiederzufinden glaubt. Bei „Fire & Sun“ haben in den Vorjahren stramm rechte Burschenschaftler ebenso wie Anhänger der „Identitären Bewegung“ einen Anziehungspunkt entdeckt, was auch mit dem jeweiligen Angebot des Musikprogramms mit Bands wie „Darkwood“, „Jännerwein“ (Österreich), „Of The Wand And The Moon“ (Dänemark) oder „Sol Invictus“ (Großbritannien) zusammenhing. Rechte Publikationen von „Junge Freiheit“ über „Sezession“ oder „Blaue Narzisse“ haben dazu über Jahre einen gewissen Neofolk-Hype in ihren Leserkreisen geschürt.

Den Anfang im aktuellen Line-Up, das dieses Mal in der Künstlerwahl weniger als die Jahre zuvor den Verdacht erwecken lässt, rechte Konzertprojektionen zu liefern, macht die 2007 gegründete Band „Vortex“ aus Berlin. Zur Sommersonnenwende wartet sie mit ihrem vierten Album auf. Die gebürtige Neuseeländerin Jordan Reyne präsentiert düsteren keltischen Folk aus dem Land des Herrn der Ringe. Mit „King Dude“ (USA), bürgerlich Thomas Jefferson Cowgill, stellt sich durchaus eine Reizfigur auf die Bühne, die sich dem apokalyptischen Folk widmet und als bekennender Luziferaner bekannt ist. Den Abschluss bildet die italienische Combo „Spiritual Front“ um Sänger Simone Salvatori, die bekanntlich gerne zu Covern, etwa von „Sol Invictus“, greift und sich auch für keine Provokation zu schade ist. Sie trat bereits 2016 beim ähnlich ausgerichteten „Runes & Men“-Festival in Leipzig (bnr.de berichtete) auf, ebenfalls veranstaltet von „Equinoxe Organization“.

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