Rechte Burschenschaft lädt zur Denkfabrik

Von Horst Freires
21.06.2017 -

Auf dem Haus der „Burschenschaft Danubia“ in München finden vom Freitag bis Sonntag die „Bogenhausener Gespräche“ statt.

Zum 32. Mal die „Bogenhausener Gespräche“ bei der „Danubia“; (Screenshot)

Führende Köpfe der intellektuellen Neuen Rechten versammeln sich vom 23. bis 25. Juni in München zu den „Bogenhausener Gesprächen“ (BG) unter dem Dach der seit zahlreichen Jahren im Visier des Verfassungsschutzes stehenden „Burschenschaft Danubia“. Die Denkfabrik mit ultrarechter Handschrift findet bereits zum 32. Mal statt. Im Vorjahr pausierte die Veranstaltungsreihe.

„Der europäische Nationalstaat im 21. Jahrhundert“,  lautet der Oberbegriff der Tagung. In der Einladung heißt es unter anderem „Wir wollen … auch die germanozentrische Diskussion gesamt-europäischer Probleme hinter uns lassen.“ Als Festredner ist Philip Stein eingeladen, Gründer und Betreiber des in Dresden ansässigen Jungeuropa-Verlages (bnr.de berichtete) sowie laut „Danubia“ Leiter der in rechten Kreisen bis hin zur „Identitären Bewegung“ engagierten Förderplattform „Ein Prozent für unser Land“, von der Burschenschaft ganz unverfänglich als Bürgernetzwerk bezeichnet. Der Mittzwanziger Stein ist Verbandsbruder der „Marburger Burschenschaft Germania“ und innerhalb neurechter Gruppierungen bestens in Europa vernetzt.

„Pulse of Europe oder Jungeuropa?“

Auf der Liste der BG-Referenten steht mit Benedikt Kaiser ein enger Weggefährte Steins. Sein Beitrag trägt den Titel „Zweierlei Europabegeisterung – Pulse of Europe oder Jungeuropa?“. Der Politologe verfasste Einleitungen zu den ersten Veröffentlichungen aus Steins Verlag. Er schreibt Texte für die neurechte „Sezession“ und arbeitet als Lektor beim Antaios-Verlag von Götz Kubitschek. Publizist Felix Menzel ist ebenfalls diesem Umfeld der selbst ernannten ethnischen Kulturversteher zuzurechnen. Er gehörte zu den Initiatoren des langjährigen Periodikums „Blaue Narzisse“ und ist verantwortlich für den Blog „Einwanderungskritik.de“. 2013 veröffentlichte er mit Stein zusammen die Schrift „Junges Europa“.

Auch die Personalie Donald Trump wird bei der Veranstaltung eine Rolle spielen, denn Neofolk-Musiker und Black Metal-Anhänger Nils Wegner soll sich mit dem „Revolutionären Potenzial der alternativen US-Rechten“ beschäftigen. Er taucht im Antaios-Verlagsprogramm auf und war Autor für die„Blaue Narzisse“, „Junge Freiheit“ und „Sezession“. Außerdem leistet er Übersetzungsarbeiten, so auch für den umtriebigen schwedischen Medien-Aktivisten Daniel Friberg, der unter anderem beste Kontakte zur NPD unterhält. Peter Feist lässt sich über „Die Notwendigkeit einer deutschen Nationalbewegung und der historische Platz der AfD“ aus. Der Honecker-Neffe bewegt sich im Pegida-Dunstkreis und ist einer der Autoren des rechtspopulistischen „Compact“-Magazins von Jürgen Elsässer, welcher einer der Initiatoren der „Ein Prozent“-Initiative war. 2015 war der ehemalige Trotzkist Feist, der sich selbst als Militärhistoriker bezeichnet, Gast bei der neurechten Messe „Zwischentag“, die von Felix Menzel mitorganisiert wurde. (bnr.de berichtete)

Schillernde Namen aus der rechtsextremen Szene

„Nationale Identität und ethno-kulturelle Politik in Russland im 21. Jahrhundert“, lautet das Thema, das auf der BG-Zusammenkunft für Jurij Kofner vorgegeben ist. Dieser ist als pro-russischer Vertreter des „Zentrums für Kontinentale Zusammenarbeit“ (ZKZ) mit Sitz in München unterwegs. Gern agiert er auch als Reporter für das „Compact“-Magazin oder als Werbebotschafter für die angebliche Befreiung von der amerikanischen Hegemonie. Nach eigenen Angaben kooperiert das ZKZ mit dem in Schnellroda in Sachsen-Anhalt ansässigen Institut für Staatspolitik, dazu soll Kofner Kontakte zur „Identitären Bewegung“ unterhalten. Man kennt sich also untereinander, sodass ein Facebook-Like von Alexander Markovics für die BG-Ankündigung nicht wirklich verwundert. Markovics ist neben Martin Sellner eines der bekanntesten Gesichter der österreichischen „Identitären“. Im Zuge der Münchner Sicherheitskonferenz im vergangenen Jahr agierten „Identitäre“ aus Bayern sogar Seite an Seite mit Kofner und dem ZKZ.

Referenten der „Bogenhausener  Gespräche“ bescherten der „Danubia“ seit den 80er Jahren etliche in der rechtsextremen Szene schillernde Namen. Dazu gehören, neben anderen: Reinhold Oberlercher (Deutsches Kolleg), Horst Mahler, Pierre Krebs (Thule-Seminar), Alain de Benoist, Peter Kienesberger, Jürgen Schwab, Thor von Waldstein, Alexander von Webenau, die Geschichtsrevisionisten Walter Post und Franz W. Seidler, Hans Ulrich Kopp („Witikobund“), Klaus Kunze, Björn Clemens („Gesellschaft für freie Publizistik“), Dee Ex (rechte Rapperin) und nicht zuletzt der neurechte Publizist und Verleger Götz Kubitschek.

Die „Burschenschaft Danubia“ war in den 70er und 80er Jahren ein Vorfeld-Tummelplatz für NPD-Aktivisten, Ende der 80er Jahre wandelte sich das in Richtung Republikaner. Mit Pierre F.-P. suchte vor rund fünf Jahren auch ein Neonazi aus München die „Danubia“-Nähe, er musste die Burschenschaft aber wieder verlassen. Der Neonazi engagiert sich inzwischen in der Splitterpartei „Der III. Weg“. Mit Arndt N. hat sich zuletzt ein Angehöriger der „Identitären Bewegung“ in einem Interview als „Danubia“-Aktiver geoutet. Vom Hamburger AfD-Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Wolf ist unterdessen ebenfalls seine „Danubia“-Zugehörigkeit bekannt geworden

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