Radikaler Hetzer setzt sich ab

19.06.2020 -

Stolberg - Ein Rechtsextremist aus Stolberg bei Aachen, der seit längerem Justiz und Staatsschutz der Polizei beschäftigt, ist untergetaucht.

P. (anonymisiert) bei fremdenfeindlichem Aufmarsch in Mönchengladbach im März 2018; Photo: M.K.

Laut eigener Angaben liegen gegen den 43-jährigen Robert P. 25 Strafanzeigen oder Ermittlungsverfahren wegen überwiegend im Internet begangener Taten vor. Ungeachtet seiner Radikalität und der von ihm zuweilen verbreiteten Lügengeschichten war der 43-Jährige Anfang März noch mit den rechten Medienaktivisten Oliver Flesch und Stefan Bauer unterwegs, die für den AfD-nahen „Deutschland Kurier“ aus Griechenland berichteten. (bnr.de berichtete)

Vor Monaten hatte die Staatsanwaltschaft Aachen Anklage gegen Robert P. am Amtsgericht Eschweiler erhoben. Zuerst musste der Rechtsextremist wegen der Corona-Pandemie und entsprechender Einschränkungen im öffentlichen Leben noch nicht auf der Anklagebank Platz nehmen. Schließlich waren im Amtsgericht Zweifel aufgekommen, ob P. wegen seiner Radikalität und den maßlosen Übertreibungen, bei denen er sich etwa – entgegen der Realität – als ausgebildeter und kampfbereiter Elitesoldat inszeniert, überhaupt schuldfähig sei. Daher sollte er begutachtet werden.

Zum Mord an Polizisten aufgerufen

Straftaten im Internet beging P. weiter, rief etwa mehrfach erneut zum Mord an Polizisten auf und beschimpfte diese übelst. Zudem äußerte er Gewaltphantasien gegen politische Gegner, Muslime und Geflüchtete. Obschon P. auch jetzt noch behauptet, in Stolberg zu wohnen, ist diese Angabe falsch. Nach bnr.de-Recherchen hat er seine Wohnung aufgegeben und wird von den Ermittlern gesucht. Formaljuristisch ruhen die Verfahren daher, gleichwohl laufen neue Ermittlungen um den Aufenthaltsort des Rechtsextremisten festzustellen und den Prozess gegen ihn terminieren zu können. (mik)