Prozessauftakt gegen Hendrik Möbus

02.05.2019 -

Wegen seines NSBM-Versandhandels steht der Thüringer Neonazi seit Donnerstag in Berlin vor Gericht.

NSBM-Versandhändler Möbus verlässt den Gerichtssaal; Photo: Th.S.

Am heutigen Donnerstag hat vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin-Moabit ein Prozess gegen den umtriebigen NSBM-Versandhändler und -Konzertorganisator Hendrik Möbus. (bnr.de berichtete regelmäßig, zuletzt) Zusammen mit seinem Komplizen Christian S. wird ihm in mehreren Fällen das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole sowie Volksverhetzung vorgeworfen. 

Im Zeitraum zwischen Oktober 2014 und November 2015 sollen die beiden T-Shirts vertrieben haben, auf denen SS-Totenköpfe und Keltenkreuze abgebildet waren. Hinzu kommen CDs, auf deren Cover sich ebenfalls solche Symbole aber auch Hakenkreuze und Sigrunen befanden. Zusätzlich wird Möbus vorgeworfen, die CD „Kristallnacht – Warspirit“ verkauft zu haben, auf der sich mehrere antisemitische Liedzeilen befinden, die zum gewaltsamen Vorgehen gegen Juden aufrufen und die SS glorifizieren. Ein Lied beginnt und endet mit „Sieg Heil“.

Strippenzieher im NSBM-Milieu

Sowohl Möbus als auch S. entstammen der Thüringer Neonazi-Szene, waren zeitweise sogar zusammen inhaftiert. Durch seine Beteiligung an einem Mordfall in Sondershausen 1993 und als Kopf der NSBM-Band „Absurd“ genießt der 43-jährige Möbus in der Szene bis heute hohes Ansehen. Auch durch sein Label „Darker than Black Records“ und der Organisation von Konzerten gilt er in dieser Szene als einer der Strippenzieher. (bnr.de berichtete

Beide Neonazis betrieben bis Ende 2014 von Berlin-Plänterwald und Neukölln aus den „Merchant of Death“-Versandhandel. Der 42-jährige S. war dabei für die Herstellung und Verschickung von T-Shirts zuständig. Dafür lagerte er in seiner Wohnung laut Anklage „eine professionelle Ausrüstung u.a. eine entsprechende Druckermaschine“.

Prozess nach Anklageverlesung vertagt

Nachdem im Herbst 2014 antifaschistische Kundgebungen und andere Aktionen die Aktivitäten der Neonazis zunehmend thematisierten, verließen beide die Stadt. Möbus zog es zurück nach Thüringen, er meldete seine Berliner Firma ab und gründete in Drei Gleichen bei Gotha die „fascination media UG“, unter der fortan der „Merchant of Death“-Versand geführt wird. Sein Komplize Christian S. ging in die Schweiz nach Frauenfeld.

Der erste Verhandlungstag endete am Donnerstag allerdings bereits kurz nach Verlesung der Anklage. Möbus schwieg zu den Vorwürfen, stattdessen äußerte sein Anwalt Zweifel an der örtlichen Zuständigkeit des Gerichts, da ein Teil der vorgeworfenen Taten in Thüringen verübt worden seien. Die Verhandlung wurde mit der Aufforderung des Gerichts, die Staatsanwaltschaft solle zum nächsten Prozesstermin eine Stellungnahme zu diesem Antrag abgeben, beendet.