Provokation Bürgermeister-Kandidatur

Von Horst Freires
27.04.2021 -

Die Splitterpartei Die Rechte hat in Braunschweig für die am 12. September anstehende Oberbürgermeisterwahl einen eigenen Kandidaten benannt, wohlwissend, für welche Provokation sie damit sorgt. Dabei handelt es sich um Pierre Bauer.

Hier im Foto rechts neben dem NPD-Chef Frank Franz noch NPD-nah, jetzt möglicher Kandidat für Die Rechte

Der Endzwanziger macht seit Jahren kein Geheimnis aus seiner Gesinnung, bewegte sich allerdings anfangs bei der NPD und deren Jugendorganisation Junge Nationalisten. Zudem war der ehemalige Bodybuilder lange im unmittelbaren Umfeld des selbsternannten Braunschweiger Kampfsportzirkels „Adrenalin BS“ (ABS) anzutreffen. Die 2015 ins Leben gerufene Sport- und Kampfgemeinschaft, teilweise auch als „Adrenalin 381“ unterwegs, tauchte auch im Verfassungsschutzbericht von Niedersachsen auf. Sie löste sich im Juni 2019 wahrscheinlich aus taktischen Gründen auf, nachdem ein ABS-Mitglied dem inhaftierten Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke freundschaftliche Grüße bekundete.

Mehrere Male fand Bauer sich bereits wegen diverser Körperverletzungsdelikte vor Gericht auf der Anklagebank wieder. Neben einem Freispruch kassierte er dabei auch Bewährungsstrafen. Über die Zulassung seiner OB-Kandidatur ist allerdings noch nicht entschieden, zumal Bauer erst mindestens 270 Unterstützerunterschriften vorlegen muss. Das Mittel der Provokation beherrscht der Kreisverband Braunschweig/Hildesheim der Splitterpartei. So baut man sich beispielsweise gerne einem Infostand direkt vor einem SPD-Schaukasten auf.

Fingerzeig für NSDAP-Sympathie

Bekannt gemacht wurde die Kandidatur vor einem Transparent der in der Neonazi-Szene Kultstatus genießenden britischen Rechtsrock-Kultband „Skrewdriver“. Über Telegram wirbt Die Rechte seit dem als Tag sicher wohl überlegt ausgesuchten 20. April (Hitler-Geburtstag) mit Auszügen aus einem 25-Punkte-Programm für die OB-Wahl. Damit liefert die Kleinstpartei ausdrücklich einen Fingerzeig für ihre Sympathie mit dem Parteiprogramm der NSDAP, das ebenfalls exakt diesen Titel trug.

Als Start fordern Bauer & Co. übrigens das Verbot vom Braunschweiger Bündnis gegen Rechts. Schändlich und unverzeihlich die Forderung nach Abriss der KZ-Gedenkstätte des Braunschweiger Neuengamme-Außenlagers Schillstraße. Provokativ ist das Eintreten für eine Städtepartnerschaft mit Hitlers oberösterreichischer Geburtsstadt Braunau am Inn. Und auch die „Prüfung von Verbotsanträgen für alle momentanen Ratsparteien“ darf nicht fehlen. Illustriert wird Letzteres mit einem Plakat „Sozialdemokratie zerschlagen - SPD-Verbot jetzt!“.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen