Polnische Hitler-Verehrer

Von Anton Maegerle
14.08.2019 -

Die neonazistische Gruppierung „Stolz und Modernität“ in Polen wurde im August gerichtlich verboten.

Polnische Neonazis haben offen dem Nationalsozialismus gehuldigt; Photo (Symbol): bnr.de

Ein Gericht im südpolnischen Gliwice sah es als erwiesen an, dass die 2011 als Verein angemeldete und als gemeinnützig anerkannte Neonazi-Gang „Stolz und Modernität“ (DiN) offen dem Nationalsozialismus gehuldigt hat. Die Propagierung von Nationalsozialismus in Polen sei jedoch illegal, so das Gericht in der kreisfreien Großstadt Gliwice. Auslöser für das Verbot war eine von Undercover-Journalisten mit verdeckter Kamera gefilmte Feier der Gruppierung anlässlich von Hitlers Geburtstag im April 2017 auf einer Waldlichtung in der Nähe der oberschlesischen Stadt Wodzisław Śląski, in unmittelbarer Nähe der tschechischen Grenze gelegen.

In Wehrmachts- und SS-Uniformen verkleidet, umgeben von einem Hakenkreuz aus brennenden Holzlatten und einer Torte mit einem Hakenkreuz aus Dominosteinen, entboten die Neonazis bei der Feier Hitler-Grüße. Der Trinkspruch des Versammlungsleiters lautete: „Auf Adolf Hitler und unser geliebtes polnisches Vaterland.“ Die konspirativen Aufnahmen wurden im Januar 2018 vom polnischen Lokalsender „TVN24“ ausgestrahlt und sorgten für einen Skandal in Polen. Drei der gefilmten Neonazis konnten die polnischen Sicherheitsorgane identifizieren und verhaften.

Sammelaktion für inhaftierten Neonazi

Verehrt wurde von der Neonazi-Gang neben Hitler auch der bis 2017 in Südafrika wegen Mordes inhaftierte gebürtige polnische Neonazi Janusz Walus. Der Auswanderer, Mitglied der rechtsterroristischen „Afrikaner Weerstandsbeweging“ (AWB), hatte am 10. April 1993 in Johannesburg den Anti-Apartheidkämpfer Chris Hani mit mehreren Schüssen in den Kopf aus nächster Nähe ermordet. In einer Sammelaktion brachten die Neonazis von „Stolz und Modernität“ rund 50.000 Zloty (ca. 13.000 Euro) für den damals noch im Knast von Pretoria einsitzenden Mörder Walus zusammen.

Polnische Neonazis lieferten zuletzt am 20. Juli europaweite Schlagzeilen, als sie die erste LGBT-Demonstration in der ostpolnischen Großstadt Bialystok angriffen. Die Neonazis attackierten die Teilnehmer/innen des Marsches für Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bi-und Transsexuellen (LGBT) mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik attackiert. Auch die Polizeibeamten, die den Umzug absicherten, wurden

an mehreren Stellen der Demonstration durch die Innenstadt angegriffen.