PNOS tritt zur Parlamentswahl an

Von Anton Maegerle/Hans Stutz
13.09.2019 -

Am 20. Oktober finden in der Schweiz Parlamentswahlen statt. Dabei werden unter anderem die 200 Mandate des Nationalrates neu gewählt. Unter den Kandidatinnen und Kandidaten sind auch Aktivisten der rechtsextremen „Partei National Orientierter Schweizer“.

 

 

 

 

 

Kandidaten der rechtsextremen PNOS bei der Schweizer Parlamentswahl; (Screenshot)

Der Kanton Basel-Stadt ist der einzige Deutschschweizer Kanton, in dem die rechtsextreme „Partei National Orientierter Schweizer“ (PNOS) eine Liste zusammengebracht hat. Für die fünf baselstädtischen Nationalratssitze stellen sich drei Kandidaten und eine Kandidatin der PNOS zur Wahl: Jasmin Mäder sowie der doppelt aufgeführte Basler Sektionsvorsitzende Tobias Steiger, der PNOS-Parteipräsident Dominic Lüthard und der Aargauer Sektionsvor­sitzende Werner­ Weltert.

Mäder, Vorsitzende der Zürcher PNOS-Sektion, war einst Porno-Darstellerin mit dem Namen „Cleopatra“ und wirkte an mehreren einschlägigen Filmen mit. Steiger, vormals politisch bei der Schweizerischen Volkspartei und dann bei der Direktdemokratischen Partei Schweiz beheimatet, agierte als Führungskader von „Pegida Schweiz“ und „Pegida Dreiländereck“. Er war am 27. Februar 2016 anlässlich des einjährigen Bestehens des Pegida-Ablegers „Kargida“ (Karlsruhe) vor Ort.

PNOS-Delegation bei rechtsextremer Konferenz in den USA

Lüthard ist Gründungsmitglied der Schweizer Skinband „Indiziert“. Die im Dezember 2001 in Burgdorf gegründete Combo hat auch bei NPD Veranstaltungen – unter anderem beim „Fest der Völker“ am 11. Juni 2005 im thüringischen Jena aufgespielt. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien setzte die „Indiziert“-CD „Eidgenössischer Widerstand“ im Jahr 2005 auf den Index. Begründung: Die Texte knüpften an die NS-Rassenlehre an und rufen zu einem gewaltsamen Vorgehen gegen Ausländer auf. In dem Song „Ausnahmezustand“ der Band heißt es: „Was ist aus dem Land geworden, durch fremde Kulturen total verdorben. Die Ausländer toben sich hier aus, leben in Saus und Braus. Eines Tages werden alle erwachen, dann lassen wir es hier so richtig krachen."

Im Juni 2018 führte Lüthard eine zehnköpfige PNOS-Delegation in die USA an, die ander von der „American Freedom Party“ ausgerichteten „Nationalist Solutions Conference“ im Bundesstaat Tennessee teilnahm.

Holocaust-Leugner unter den Bewerbern

Der Westschweizer PNOS-Ableger, die „Parti Nationaliste Suisse“ (PNS), stellt elf Kandidaten für den Nationalrat. Darunter ist Alexandre Rawyler, der im September 2018 in Lausanne bei der Trauerfeier für den Holocaust-Leugner Gaston-Ar­mand Amaudruz die Totenrede hielt und im Anschluss den Hitlergruß zeigte.

Unter den ausschließlich männlichen Bewerbern findet sich auch der Holocaust-Leugner und PNS-Parteipräsident Philippe Brennenstuhl. Brennenstuhl, Gründungsmitglied der antisemitischen Gruppierung „Verite & Justice“, ist rechtskräftig wegen Widerhandlung gegen die Rassismus-Strafnorm verurteilt. Mehrfach trat er als Redner bei rechtsextremen Rütli-Feiern auf und hielt dort juden- und freimaurerfeindliche Ansprachen. In einer Publikation des knasterfahrenen Holocaust-Leugners Brennenstuhl heißt es, dass es für die industriell betriebenen Massenvergasungen in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern „nicht den Schatten“ eines materiellen Beweises geben würde.

Kontakte zur NPD

Die PNOS wurde im September 2000 von Jonas Gysin und Sacha Kunz gegründet. Mehrfach kamen PNOS-Aktivisten mit dem Gesetz in Konflikt. Unter anderem wurden Mitglieder wegen Rassendiskriminierung verurteilt. Szene-bekanntes einstiges PNOS-Mitglied ist der im deutsch-sprachigen Raum aktive Holocaust-Leugner Bernhard Schaub.

Die PNOS pflegt Kontakte zur NPD und deren Jugendorganisation. Anlässlich einer Veranstaltung zum 15-jährigen Bestehen der PNOS im November 2015 in der Gemeinde Zell im Kanton Luzern trat der NPD-Funktionär Jens Pühse, heute zweiter Vorsitzender der rechtsextremen Stiftung „Europa Terra Nostra“, als Gastreferent in Erscheinung. Pierre D.,  ehemaliger JN-Schulungsleiter, sprach im April 2014 bei der PNOS über das „europäische Menschengeschlecht“.