Plauen: Querdenken-Förderer begehrt Bürgermeister-Posten

Von Horst Freires
19.04.2021 -

Einer von insgesamt sieben Kandidat*innen zur Bürgermeisterwahl in Plauen lässt aufhorchen: Thomas Kaden will am 13. Juni als Einzelbewerber an die Verwaltungsspitze der 65.000 Einwohner zählenden sächsischen Vogtland-Metropole.

Thomas Kaden mit Unterstützung durch die rechte Partei "Freie Sachsen", Foto: Screenshot

Die Kandidatur ist nach Vorlage von 179 Unterstützerunterschriften (gefordert waren 160) und dem Durchwinken beim städtischen Wahlausschuss nun amtlich. Der 57-Jährige hat sich Ende Februar in Schwarzenberg zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden der selbsternannten Sammelbewegung und Partei „Freie Sachsen“ wählen lassen, die mit Akteuren aus der Gruppierung Pro Chemnitz und NPD an der Spitze versucht, politisch Unzufriedene in der Bevölkerung in eine rechtsextreme Richtung zu kanalisieren und daher auch die Aufmerksamkeit des Verfassungsschutzes auf sich lenkt.

Fahrdienst für Querdenken

Kaden ist Busunternehmer und gehörte zu Pandemie-Beginn im vergangenen Jahr zu den beruflichen Verlierern, ehe er aus der Misere sein ganz eigenes Geschäftsmodell machte, indem er sich als logistischer Fahrdienst für die „Querdenken“-Bewegung anbiederte und sich inzwischen vom bloßen Fürstreiter einer Rettung der Bustouristik auch inhaltlich umfänglich mit den Pandemie-Leugnern und -Verharmlosern gemein gemacht hat, denen es oft nicht mehr um die Kritik an den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung geht, sondern um die Destabilisierung des bestehenden Staatsgefüges.

Kaden bietet zusammen mit Ines Teetzen koordinierend im Namen der aus der Busbranche entsprungenen Protestinitiative „Honk for Hope“ Deutschland überregional ihre Busflotte für den Transport großer Personengruppen zu diversen Großdemonstrationen gegen die Corona-Politik an. Dabei werden sogar Fahrten aus dem benachbarten Ausland organisiert. Kadens Busse beförderten so Teilnehmer*innen beispielsweise zu den August-Demonstrationen in Berlin, zur Großdemo im November nach Leipzig und zuletzt am 20. März nach Kassel - alles Proteste, bei denen es zu gewaltbereiten Ausschreitungen kam. Inzwischen gehören auch Autokorsos zu Kadens Angebotspalette.

Unterstützung durch „Freie Sachsen“

Auch bei „Freie Sachsen“ ist Kadens Wahlantritt in Plauen Thema: „Unter den sieben Kandidaten befindet sich außer ihm kein Oppositioneller, der die Corona-Politik der Regierung (und auch den sonstigen Politikstil, mit dem unsere Kommunen regiert werden) grundsätzlich hinterfragt.“ Im Neonazi-Sprech heißt es dann weiter, dass Kaden in den kommenden Wochen einen sehr präsenten Wahlkampf führen und „konsequent mit den verbrauchten Altparteien der Corona-Regierung abrechnen“ werde. Plakativ wird dazu der Slogan „Freiheit statt Bevormundung“ gezeigt.
Auf der Unternehmensseite gewährt Kaden Einblick in seine Anti-Haltung, gesteht dabei sogar ein, staatliche Corona-Hilfen in Anspruch genommen zu haben. Aktuell ist er davon überzeugt, dass Deutschland in eine Diktatur hineinmarschiere.

Keine Distanz zu Der Dritte Weg und NPD

Bleibt abzuwarten, inwieweit auch die in Plauen mit einer starken Regionalpräsenz und eigenen Räumlichkeiten aktive rechtsextreme Splitterpartei „Der Dritte Weg“ Kaden unterstützt. Kennverhältnisse untereinander sind mittlerweile bekannt geworden. Auch ein Interview im Youtube-Kanal der NPD ist bei der „Freie Sachsen“-Vorstellung für den Busunternehmer kein Problem gewesen.