Paramilitärische bulgarische Neonazi-Truppe

Von Anton Maegerle
20.10.2020 -

Dem neonazistischen „Bulgarischen Nationalbund“ (BNS) droht möglicherweise das Verbot. Der BNS hat gute Kontakte zur braunen Kleinstpartei „Die Rechte“.

Der vom Verbot bedrohte BNS hat bis 2019 den alljährlichen „Lukov“-Gedenkmarsch veranstaltet; (Screenshot)

Vor dem Stadtgericht in der bulgarischen Hauptstadt Sofia wird seit dem 5. Oktober über ein mögliches Verbot des neonazistischen „Bulgarischen Nationalbundes“ (BNS) verhandelt. Die Staatsanwaltschaft unter Führung von Generalstaatsanwalt Ivan Geshev wirft den Neonazis vor, durch ihr paramilitärisches und rassistisches Auftreten gegen die Grundsätze des Staates zu verstoßen.

Der 2001 gegründete BNS veranstaltete von 2003 bis 2019 in Sofia alljährlich den so genannten „Lukov“-Trauerfackelmarsch, eine der wichtigsten Neonazi-Veranstaltungen in Europa. An dem Aufmarsch nahmen bis zu 2.000 Neonazis teil. Der ultranationalistische General Hristo Lukov (Jg. 1887), bis zu seinem Tod 1943 ein leidenschaftlicher Anhänger des Nationalsozialismus, war Führer des „Bundes der Bulgarischen Nationalen Legionen“ (SBNL). Er befürwortete eine Beteiligung des faschistischen Bulgariens am Holocaust.

„Europa als Siedlungsraum der weißen Rasse erhalten“

In diesem Frühjahr genehmigten die staatlichen Behörden ausschließlich eine Kundgebung vor dem Wohnhaus von Lukov in Sofia. An dieser Veranstaltung am  22. Februar 2020 nahm eine Delegation der Partei „Die Rechte“ (DR) aus Dortmund teil. Einer der Redner in Sofia war Matthias Deyda, der DR-„Auslandsbeauftragte“. Deyda beschwörte in seiner Rede den gemeinsamen europäischen Kampf um „Europa als Bollwerk und natürlicher Siedlungsraum der weißen Rasse zu erhalten und unseren Kontinent gegen seine Feinde zu beschützen".

An der Spitze des „Bulgarischen Nationalbundes“ steht Zvezdomir Andronov. In einem Interview mit der Neonazi-Kleinstpartei „Der III. Weg“ führte Andronov im Oktober 2017 aus, dass der BNS ein „klares weltanschauliches Fundament“ habe, „das an die nationalen und sozialen Organisationen in Bulgarien vor dem Zweiten Weltkrieg anknüpft“. Andronov war Domaininhaber der im März 2009 vom Betreiber Sascha Deuerling vom Netz genommenen Internetseite racords.de, einem einschlägigen Musiklabel und Versandhandel. Am 14. April 2018 trat der deutschsprachige Andronov als Redner bei einer Kundgebung der „Rechten“ in Dortmund auf.

Internationales Bündnis „Festung Europa“ ins Leben gerufen

Der BNS ist extrem Roma-feindlich ausgerichtet. So bezeichnete der einstige BNS-Anführer Bojan Rasate die Mehrheit der Roma als „Verbrecher“ und erklärte: „Wir können heute nicht daran denken, die Zigeuner einfach umzubringen. Die Zeiten sind andere.“

Am 20. und 21. April 2019 veranstaltete der BNS in Sofia ein „Vernetzungstreffen“ unter dem Leitspruch „Unsere Nationen – Unser Europa“, an dem Neonazis aus verschiedenen europäischen Ländern teilnahmen, die zum Teil bereits langjährige Kontakte miteinander pflegten. Dabei wurde das internationale Bündnis „Festung Europa“ („Alliance Fortress Europe“) ins Leben gerufen. Anwesend waren neben dem BNS, „Die Rechte“, „Les Nationalistes“ (Frankreich), „Légio Hupgária / Legion Hungary“ (Ungarn), „Národní a sociální fronta“ (NSF) und „Szłurm I Assault“ (Polen). In der Gründungserklärung wurde als Ziel festgehalten, „den Charakter unseres Kontinents zu bewahren“. „Höchste Priorität“ habe „das körperliche, kulturelle und spirituelle Überleben unserer Völker und der europäischen Zivilisation als Ganzes. Unser Kampf gilt der Wiederbelebung unserer Nationen“, hieß es in dem Manifest.