OB-Kandidat mit rechter Vita

Von Anton Maegerle
10.07.2020 -

Der „Pro Chemnitz“-Frontmann Martin Kohlmann tritt bei der Oberbürgermeisterwahl in der sächsischen Stadt an.

Rechtsextreme Vereinigung stellt OB-Kandidat in Chemnitz; (Screenshot)

Die selbst ernannte Bürgerbewegung „Pro Chemnitz“ schickt bei der Wahl zum Oberbürgermeister am 20. September in der ehemaligen Karl-Marx-Stadt den 42-jährigen Rechtsanwalt Martin Kohlmann ins Rennen. Kohlmann (Jg. 1977), ist Fraktionsvorsitzender der „Pro Chemnitz“-Stadtratsfraktion. Er tummelt sich seit Jahrzehnten in extrem rechten Zusammenhängen. Zeitweilig war Kohlmann sächsischer Landesvorsitzender und Bundesvorstandsmitglied der Republikaner (REP), die er im Januar 2006 verließ. Als REP-Funktionär organisierte Kohlmann 2004 im Raum Chemnitz ein Konzert mit dem Neonazi-Liedermacher Frank Rennicke.

Im Sommer 2005 sorgte Kohlmann bundesweit für Aufsehen, als es einem von ihm organisierten Bündnis aus REP, Deutscher Sozialer Union (DSU) und Deutscher Partei (DP) gelang, mit 10,28 Prozent in den Chemnitzer Stadtrat einzuziehen. 2006 trat Kohlmann der DSU bei und kandierte 2008 erfolglos im Erzgebirgskreis für seine Partei zum Landrat. Er erhielt 1,2 Prozent der Stimmen.

„Pro Chemnitz“ mit fünf Stadträten vertreten

Anfang 2009 gründete Kohlmann gemeinsam mit Ex-CDU-Mitglied Reinhold Breede die „Bürgerbewegung Pro Chemnitz“. Bei der Kommunalwahl 2009 konnte „Pro Chemnitz“ mit einem Ergebnis von 4,57 Prozent in Fraktionsstärke in den Stadtrat einziehen. 2019 erzielte „Pro Chemnitz“ bei der Wahl 7,67 Prozent der Stimmen und ist seitdem mit den fünf Abgeordneten Kohlmann, Reiner Drechsel, Robert Andres, Karl Kohlmann und Bernd Arnold im Rat der Stadt vertreten. Dem Vorstand von „Pro Chemnitz“ gehören Breede, Kohlmann und Ina Leuoth an.

Für internationale Schlagzeilen sorgte „Pro Chemnitz“ 2018. Die rechtsextreme Vereinigung war Veranstalterin der von rund 6000 Rechten und Rechtsextremen unterschiedlichster Couleur aufgesuchten Demonstration im Zusammenhang mit der tödlichen Messerattacke auf den Deutsch-Kubaner Daniel H. am 27. August 2018. Der Szene-Anwalt Kohlmann, selbst rechtskräftig zu Geldstrafen wegen Steuerhinterziehung und Hausfriedensbruch verurteilt, hat unter anderem den einstigen NPD-Bundesvorsitzenden Günter Deckert, den „Reichsbürger“ Adrian Ursache oder den Galgen-Träger bei der Pegida-Demo verteidigt.

Bei der Oberbürgermeisterwahl in der drittgrößten Großstadt im Freistaat Sachsen am 20. September kann Kohlmann an frühere Zeiten anknüpfen. Bei der OB-Wahl 2013 erzielte er im ersten Durchgang 5,6 Prozent der Stimmen.