NS-Nostalgiker in der braunen Szene

Von Horst Freies
14.03.2018 -

Regelmäßig laden Neonazis zu Vorträgen mit Zeitzeugen ein, die die NS-Zeit und das Agieren der Wehrmacht glorifizieren. Diese Veranstaltungen, teils garniert mit musikalischen Klängen rechtsextremer Liedermacher, locken eine beträchtliche Zahl an Besuchern an.

Vertreter der Erlebnisgeneration als Zeitzeugen bei der „Rechten“; (Screenshot)

Die Neonzi-Partei „Die Rechte“ kündigt solch eine Zusammenkunft für den 7. April im Rhein-Erft-Kreis an. Der Vortrag unter dem Titel „Die Jugendzeit eines Pfälzers – Vom Pimpf zum Soldaten der Waffen-SS“ soll der Auftakt einer Reihe „Soldaten berichten“ sein. Dabei handelt es sich um die Erlebnisberichte von Richard Neubrech aus Kaiserslautern, der Angehöriger der „3. SS-Panzerdivision Totenkopf“ war und mit dieser in Ungarn zum Einsatz kam. Seine Schilderungen hat der 90-Jährige bereits in Buchform vorgelegt.Im vergangenen November war Neubrech bei der Konkurrenzpartei „Der III. Weg“ in Berlin zu Gast und referierte auch beim so genannten „Patriotenstammtisch“ in Lörrach. Am 7. April soll außerdem ein namentlich nicht benannter Militärhistoriker über die Waffen-SS sprechen.

Nur eine Woche später am 14. April wird für die Region Mittelthüringen eine Veranstaltung mit Paul Peller (Jahrgang 1926) angekündigt. Dieser soll aus seiner Zeit als Mitglied der „18. Freiwilligen Panzergrenadierdivision „Horst Wessel“ erzählen. Auch seine Berichte liegen bereits als Buch vor. Als Ergänzung zum Zeitzeugengespräch bewirbt man zudem einen Liedermacherabend mit Frank Rennicke und Axel Schlimper.

Auch in Sachsen haben Zeitzeugenvorträge mit Verherrlichung der NS-Zeit Konjunktur. Das geht aus der Antwort des Innenministeriums auf Parlamentsanfragen von Linken und Grünen hervor. Demnach gab es im Mittweidaer Ortsteil Frankenau im vergangenen Jahr im März, April und Juli entsprechende Treffen, bei denen 200 und mehr Zuhörer zusammen kamen. Demnächst sollen nach Informationen der Landtagsabgeordneten Kerstin Köditz (Linke) wieder ähnliche Veranstaltungen stattfinden, die im Vorjahr zum Teil auch vom Verein „Gefangenenhilfe“ begleitet wurden, der hauptsächlich hierzulande tätig ist, offiziell aber von Schweden aus operiert. Das Anliegen des Vereins: Die Unterstützung von Inhaftierten aus der braunen Szene und deren Angehörigen.

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