NS-Black Metal mit militärischem Anstrich

Von Sebastian Lipp
24.10.2019 -

Unter dem Titel „War Propaganda Fest“ laden tschechische Neonazis Black-Metal-Fans konspirativ nach zu einem Konzert am 9. November.

„Goatmoon“ aus Finnland als Headliner; (Screenshot, Facebook)

„Goatmoon“, „Stahlfront“ und „Marder“: Nicht nur die Namen der Bands klingen martialisch. Für ihren Auftritt beim „War Propaganda Fest“ haben sie jeweils ein eigenes, an militärische Abzeichen angelehntes Logo bekommen. Nun prangt es auf dem Flugblatt, mit dem konspirativ für ein NSBM-Konzert am 9. November 2019 in Tschechien geworden wird. „Verboten“ soll es sein, das analoge Flugblatt auf Facebook und in anderen sozialen Netzen zu teilen. Dennoch kursiert das Flugblatt auch außerhalb des Landes und außerhalb einer klassischen Neonazi-Szene.

Das Konzert, bei dem ausschließlich nationalsozialistisch orientierte Bands aus dem Genre des Black Metal (NSBM) auftreten sollen, findet dem Flugblatt nach irgendwo in Tschechien statt. Den genauen Ort soll nur erfahren, wer sich per E-Mail als Interessent anmeldet und ein nummeriertes Ticket für 22 Euro kauft. Dafür soll das Ticket auch als „Club Card“ gelten.

Als Headliner reist „Goatmoon“ aus Finnland an. Seit 2002 brachte es das Solo-Projekt auf fünf Alben und einige weitere Veröffentlichungen sowie Gastspiele auf einschlägigen Black-Metal-Festivals etwa in den USA und Frankreich. Mit dabei sein soll auch wieder „Marder“. (bnr.de berichtete)

Geheimnisvoller „Gast“ beim „War Propaganda Fest“

Die Musiker hinter „Stahlfront“ sollen allesamt seit Jahren in der neonazistischen Musikszene aktiv sein. Der Sänger des im Jahr 2011 gegründeten NSBM-Projekts fiel Szenebeobachtern zuvor etwa als Mitglied der „Nationalen Sozialisten Erzgebirge“ auf. Mit Titeln wie „Wiederkehr der Ahnen”, „Religion des Blutes“, „Schattenkrieger“ oder „Wehrwolf Jugend“ verweisen auch die Platten von „Stahlfront“ auf ein rassistisches Weltbild, das vom Krieg träumt. Für das „War Propaganda Fest“ ist zudem geheimnisvoll ein „Gast“ aus Tschechien angekündigt.

Der militärische Anstrich des Konzertes schlägt sich nicht nur in der Wahl der Bands nieder. Offenbar sollen mit dem Abend Kämpfer des „Tschechischen Kriegerbunds“ geehrt werden. Auf dem Flugblatt ist ein Schwert abgebildet, das mit den Jahreszahlen von Beginn und Ende des Ersten Weltkrieges beschriftet ist. Es durchstößt einen Stahlhelm und einen Lorbeerkranz mit der Aufschrift „Tschechischer Kriegerbund“ in deutsch und tschechisch. Der Bund sollte laut einem Bericht der Initiative „Zukunft braucht Erinnerung“ die tschechischen Angehörigen der ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee und der Tschechischen Legionen, die gegen die Bolschewiken in Russland kämpften, vereinen und der Kollaboration „im Kampf für das neue Europa“ dienlich machen. Die Mitglieder waren in „Kameradschaften“ organisiert und begrüßten einander mit dem „deutschen Gruß“, also dem erhobenen rechten Arm.