„NRW stellt sich quer“ ohne Resonanz

30.07.2020 -

Düsseldorf – Nur rund 25 Rechtsextremisten haben am Mittwochabend in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt an einer „Mahnwache“ teilgenommen, die sich gegen Gewalt richten sollte.

Fremdenfeindliches „Gedenken“ in Corona-Zeiten; (Screenshot)

Anlass dafür war der Jahrestag des Todes eines 8-Jährigen im Frankfurter Hauptbahnhof. Ein psychisch Erkrankter mit Migrationshintergrund hatte dort 2019 im Wahn eine Mutter und ihr Kind vor einen Zug gestoßen. Die rechtsextreme Kleinstgruppe „NRW stellt sich quer“ um Stefanie van L. hatte deswegen unter dem Motto „Wir sind das Volk“ zur Versammlung am Hauptbahnhof in Düsseldorf aufgerufen. Man gedenke „dem Jungen“ (sic!). Den fremdenfeindlichen Hintergrund des „Gedenkens“ erkannte nur, wer um den Hintergrund des Jahrestages wusste.

Kurz vor der Aktion hatte van L. gestern noch auf Facebook gepostet: „Unterstütz‘ uns heute, wir werden nicht zum Alltag übergehen, denn solch einen Alltag wollen wir nicht!“ Letztlich erschienen nur rund 25 Rechtsextremisten, darunter auch solche von der gewaltbereiten „Bruderschaft Deutschland“. Ein Teil beäugte die rund 200 Gegendemonstranten, andere Rechtsextremisten stellten sich stumm hinter weißen Kreuzen auf. An diesen hingen Blätter mit Losungen wie „Gegen Messerstecherei!“, „Gegen Gewalt an unseren alten Menschen!“ und „Gegen Gewalt an unsere [sic!] Menschen mit Behinderung!“

„NRW stellt sich quer“ und van L. sind schon seit längerem relativ isoliert bei der Organisation eigener Aktionen. Als man Mitte Juni in Gelsenkirchen gegen die Einweihung eines umstrittenen Lenin-Denkmals demonstrierte blieb man mit rund 20 Teilnehmern unter sich. Die selbe Gruppe hielt vor Wochen ebenso in Gelsenkirchen Autokorsos gegen die Corona-Auflagen ab unter dem Motto „Unser Grundgesetz ist kein Klopapier“ – mit ähnlich geringer Teilnehmerzahl. Anders als es der Namen suggeriert hat die Kleinstgruppe NRW-weit gesehen kaum Relevanz. (mik)