NRW: Anstieg flüchtlingsfeindlicher Straftaten

Von Michael Klarmann
04.03.2021 -

In Nordrhein-Westfalen sind die rechtsextrem motivierten Straftaten 2020 zurückgegangen. Auffällig bei insbesondere den flüchtlingsfeindlichen Taten ist, dass diese anstiegen und Tatverdächtige oft älter als Mitte 30 sind.

Auch die Zahl islamfeindlicher Straftaten ist in NRW gestiegen, Foto: Symbolfoto

Die rechtsextremen Straftaten gehen in dem einwohnerstärksten Bundesland seit Jahren zurück. 2018 verzeichnete die Polizei landesweit insgesamt 3.767 politisch rechts motivierte Straftaten. Im Jahr 2019 wurden 3.661 rechte Straftaten registriert, 2020 verzeichneten die Behörden landesweit 3.383 solcher Delikte. Zurück gehen diese Erkenntnisse auf Antworten der NRW-Landesregierung auf Anfragen der Grünen-Landtagsfraktion.

Unter den Städten mit den meisten Straftaten führen die Großstadt Köln mit 211 und die Landeshauptstadt Düsseldorf mit 210 Delikten die Negativliste an. Danach folgen Dortmund (203), Essen (198), Wuppertal (122) und Duisburg (120). Die rechten Straftaten in Köln und Düsseldorf sanken im Vergleich zu 2019, in den anderen genannten Städte stiegen sie an. Gerade in Dortmund, wo die rechtsextreme Szene einem hohen Druck durch Behörden und Ermittler ausgesetzt ist und mehrere Neonazi-Kader Haftstrafen verbüßen, verwundert diese Entwicklung (2019: 187; 2020: 203).

Antiziganistische Straftaten mehr als verdoppelt

Ein Rückgang wurde landesweit bei rechten Gewalttaten verzeichnet. Lagen diese 2018 noch bei 217, sanken sie 2019 auf 158 und 2020 auf 142 Gewalttaten. Bei fünfzig dieser Delikte wurden letztes Jahr 55 Menschen verletzt, in den übrigen Fällen wurden Menschen zwar geschädigt, aber nicht körperlich verletzt.

Die Bündnis-Grünen haben die Landesregierung auch nach der Häufigkeit antisemitischer, islamfeindlicher, antiziganistischer und flüchtlingsfeindlicher Straftaten befragt. Antisemitische Straftaten sanken demnach von 315 (2019) auf 276 (2020). Islamfeindliche Taten stiegen von 174 (2019) auf 186 (2020) an. Antiziganistische Straftaten wurden 23 registriert (2019: 11).

91-jähriger Tatverdächtiger

Obschon die Zahl neuer Asylanträge im Zuge der Corona-Krise deutlich zurückging, gab es bei den flüchtlingsfeindlichen Straftaten einen Anstieg von 223 (2019) auf 284 (2020). Hierbei benennt die Landesregierung auch Tatverdächtige. Das waren demnach 2020 weniger junge Rechtsextremisten, denn zwei Drittel aller Tatverdächtigen, die gegen Geflüchtete vorgingen, waren älter als 35 oder sogar Senioren.

Ein hoher Anteil der flüchtlingsfeindlichen Straftaten sind laut Landesregierung Beleidigungen oder Volksverhetzungen, letzteres begangen wahrscheinlich oft in den sozialen Medien. Die jüngste Tatverdächtige bei flüchtlingsfeindlichen Delikten 2020 in NRW war 14 Jahre alt, der älteste war ein 91-Jähriger. Fünfzehn Tatverdächtige haben selbst Migrationshintergrund, etwa arabische oder osteuropäische Wurzeln.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen