Nordost-AfD: Abfuhr für „Flügel“

Von Rainer Roeser
11.11.2019 -

Beim Landesparteitag der AfD-Mecklenburg-Vorpommern in Waren zogen Vertreter des rechten Lagers den Kürzeren.

Das Rechtsaußen-Lager konnte sich in Mecklenburg-Vorpommern nicht durchsetzen; (Screenshot)

Mecklenburg-Vorpommerns AfD-Chef Leif-Erik Holm konnte zufrieden sein: Mit einer Zweidrittelmehrheit bestätigten die Mitglieder beim Landesparteitag in Waren (Müritz) den 49-Jährigen am Samstag im Amt. Und auch als gleichberechtigter Landessprecher wurde einer gewählt, der ganz nach Holms Geschmack ist: Hagen Brauer (65), Vorsitzender der AfD-Stadtratsfraktion in Schwerin, war sein Wunschkandidat.

Abgewehrt waren damit die Attacken des völkisch-nationalistischen Lagers auf Holm und die bisherige Vorstandsmehrheit, die sich nicht Björn Höckes „Flügel“ zurechnen lässt. Thomas Kerl aus Greifswald erhielt gegen Holm nur 80 Stimmen (28 Prozent). Der Landtagsabgeordete Ralph Weber, gerade erst als Präsident des Landesschiedsgerichts zurückgetreten (bnr.de berichtete), zog gegen Brauer den Kürzeren. Zwar fiel seine Niederlage mit 125 zu 156 Stimmen (44 zu 56 Prozent) knapper aus. Doch der „Flügel“ musste feststellen, dass er auch an der Ostseeküste nicht mehrheitsfähig ist. Und vorbei sind auch die Zeiten, da an der Spitze der Landespartei die beiden großen Lager – die sich „moderater“ gebenden Funktionäre und die „Flügel“-Anhänger – vertreten waren. 

Anträge sollten Landeschef Holm das Leben schwer machen

Dass es so kommen würde, hatte sich schon früher am Tag abgezeichnet. Für Anträge, die Holm das Leben schwer machen oder seine Kandidatur gleich ganz verhindern sollten, fanden sich keine Mehrheiten oder sie wurden wieder zurückgezogen. Abgelehnt wurde unter anderem eine Trennung von Parteiamt und Parlamentsmandat auf Landes- oder Bundesebene.

Viel Beifall gab's hingegen für Gastredner Alexander Gauland, der die AfD als „bürgerlich-konservative“ Partei darzustellen versuchte. Sein Appell für Geschlossenheit und Einigkeit in der AfD und seine deutliche Absage an den ehemaligen Ko-Landessprecher Dennis Augustin waren deutlich als Plädoyer pro Holm zu verstehen. 

Noch in einer anderen Hinsicht bewies Mecklenburg-Vorpommerns AfD Kontinuität: Wie bisher sitzen ausschließlich Männer im Vorstand.