„Nordadler“ auch weiblich

Von Andrea Röpke
26.04.2018 -

Eine Frau engagierte sich offen für die mutmaßliche Terrorgruppe „Nordadler“, doch sie wird nur als Zeugin bei den Ermittlungen gegen die Gruppe geführt. 

Auch eine Frau ist offenbar dem „Nordadler“-Team zuzurechnen; (Screenshot)

Sie wollen nicht radikal sein, von der Gründung einer „Terrororganisation“ nichts wissen. Patrick S. und seine Lebensgefährtin Jacqueline M. aus Schleswig-Holstein haben es sich in einem Strandkorb bequem gemacht und erklären in die Kamera, was sich aus ihrer Sicht hinter der von der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe verfolgten mutmaßlichen Terrorgruppe „Nordadler“ verbirgt. Das Video, zuerst verbreitet von Meinolf Schönborns neonazistischem „Recht und Wahrheit TV“, wurde in wenigen Tagen mehr als 2.500 Mal aufgerufen. In breitem Norddeutsch spricht S. davon, dass der „Nordadler“ nur eine „Interessengemeinschaft“ sei, die dem „Staatsterror“ Einhalt gebieten wolle, um eine „Reform in der Bevölkerung“ zu erreichen. Jacqueline M. prangert den Polizeieinsatz bei sich zuhause an und sagt selbstbewusst: „Gewalt erzeugt Gegengewalt“. Sie beide seien zum offenen Dialog bereit, mit offiziellen Medien würden sie aber nicht reden, da die nachgewiesener Weise alle lügen. Und so verbreiten der Terrorbeschuldigte und seine Freundin, die als Zeugin im Verfahren der Generalbundesanwaltschaft geführt wird, ihre Version der Geschichte über Neonazi-Kanäle. Eine rechte Gegenöffentlichkeit wird hergestellt.

Genaueres allerdings erfährt man nicht. Dabei planten die Anhänger von „Nordadler“ nach eigenen Angaben, eine nationalsozialistische Siedlung mit mehreren Häusern zu errichten. Organisatorische Angelpunkte in Sachsen-Anhalt und Thüringen sollten gebildet werden. Die Strategie sah anscheinend so aus, sich einerseits wie nach dem Vorbild der NPD kommunal zu verankern. Nach außen sollte demokratietreue Akzeptanzgewinnung betrieben und durch kommunalpolitische Mitarbeit der Zugang zu Haushaltskassen anvisiert werden.

„Schändlicher Einfluss der westlichen Wertegemeinschaft“

Aber die „eigentliche Arbeit“ würde dann eine an dem NS- „Reichsarbeitsdienst“ (RAD) orientierte Gruppe als NGO aufnehmen, um die kulturelle und soziale Hoheit in der Region zu übernehmen. Nach Vorbild des RAD sollte ein Schulungszentrum für „Politische Soldaten“ entstehen, wobei es auch paramilitärische Übungen geben würde. Kinder würden dann vor dem „schändlichen Einfluss der westlichen Wertegemeinschaft“ „rein“ gehalten werden, wie es in der Ankündigung im Internet heißt. Die Generalbundesanwaltschaft wirft den Beschuldigten von „Nordadler“ vor, sich bereits bemüht zu haben, Waffen, Munition sowie Materialien zum Bau von Brand- und Sprengvorrichtungen zu beschaffen.

Die Familie des verdächtigen Malermeisters aus Appen stand kurz vor dem Umzug, heißt es in dem rechten Strandkorb-Video. Im vergangenen Dezember hatte Jacqueline M. aus der Nähe von Pinneberg bereits ein Haus in Mackenrode im Harz für 30.000 Euro erworben, wie Tagesschau.de berichtete. Dorthin wollte sie mit Kindern und dem Lebensgefährten S. ziehen. Allerdings wohl nicht alleine. Angeblich arbeiteten bereits etwa 18 Sympathisanten an dem gemeinsamen Hausprojekt.

Ein neues „Gesellschaftssystem in unserer Mitte“

Für eine „patriotische Raumnahme“ setzt sich auch die übergreifende Sammlungsbewegung „Ein Prozent für unser Land“ ein.  Sie sucht Investoren und Pioniere für das geheime „Netzwerk Landraum“. Angeblich seien bereits zwei als Kulturzentren geeignete Objekte erworben worden, heißt es. Insider weisen auf die Ähnlichkeit der geplanten Projekte von „Ein Prozent“ und „Nordadler“ im Harz hin.

Im April 2017 hatte Jacqueline M. bei Facebook dazu aufgerufen, sich an einem neuen „Gesellschaftssystem in unserer Mitte“ zu beteiligen. Sie berichtete, dass sich viele nationale Organisationen mit den gleichen Zielen zusammenschließen würden. Ein neues, noch nie dagewesenes Gesellschafts- und Wertesystem solle entstehen. Da sie mit Verfolgungsdruck rechneten, würden sie keinen offenen Kontakt posten. Ein anderes Mal fragt sie: Wo bleibt die Revolution? Im Januar gab es von ihrer Seite per Facebook erneut den Aufruf an „Gleichgesinnte“, die mit eigenen Händen „unsere Gruppe Nordadler“ unterstützen wollten. Obwohl Jacqueline M. dem „Nordadler-Team“ scheinbar genauso zuzuordnen ist wie ihr Lebensgefährte, wird die mehrfache Mutter von der Justiz nicht als Beschuldigte geführt.

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