Neurechtes Medienprojekt „Arcadi“ vor dem Aus

Von Horst Freires
28.03.2021 -

Das erstmals 2016 aufgetauchte und der Neuen Rechten zuzuordnende Medienprojekt „Arcadi“ gehört wohl der Vergangenheit an. Die dahinter mit Briefkastenadresse in Dresden steckende Gesellschaft befindet sich in Auflösung.

Die Webseite des von Yannick Noé aus Leverkusen ins Leben gerufenen Medienmagazins „Arcadi“ als Portal mit der Zielgruppe junges AfD-Klientel, Identitäre Bewegung und stramm rechte Burschenschaftler ist nicht mehr aufrufbar. Die letzten Facebook- und Telegram-Einträge erfolgten am 19. März. Dort wurde zuletzt auch noch für die Vorbestellung einer über 200-seitigen Magazin-Ausgabe zum Monatswechsel April/Mai geworben. Ein Merchandising-Shop ist allerdings für Bestellungen noch erreichbar. Beim Handelsregister Dresden findet sich ein aktueller Liquidationseintrag.

Jugendlich hip – „Bravo“ für die Neue Rechte

Nach einem Online-Auftritt des „Arcadi“-Magazins 2016 folgte ein Jahr später das Erscheinen einer ersten Printausgabe mit dem Impressum-Hinweis der Unterstützung durch das neurechte Finanzierungsportal „Ein Prozent für unser Land“. Als Herausgeber dafür zeigte sich der Verein Publicatio e.V. verantwortlich. Bewusst haben Noé und Co. ihren Veröffentlichungen einen jugendlich hippen Anstrich gegeben. Im Zweifel entschied man sich dabei eher für eine locker aufgemachte Musikbesprechung als für einen trockenen Historienbeitrag, ganz im Sinne, eine „Bravo“ für eine neurechte Leserschaft zu kreieren.

Neben einem Verlag hinter dem Magazin wurde ein Bestellshop aufgebaut, dazu ein Label zur Veröffentlichung von rechter Rap-Musik, das sich als „heimatverbundener Musik- und Kunstverlag für Deutschland“ bezeichnete. Die „Arcadi“-Aktivitäten liefen zuletzt unter dem beim Handelsregister Dresden eingetragenen Verlagsnamen „Arcadi“ Media UG. Als namentlich benannte Geschäftsführerin wird im Impressum Helene Enns ausgewiesen, die offenbar aber nur die Funktion einer „Strohfrau“ ausübt. Aus dem Business mit dem Rechts-Rap hatten sich die „Arcadia“-Verantwortlichen bereits Anfang des Jahres zurückgezogen.

Im Visier des Verfassungsschutzes

Noé (Jahrgang 1996) agierte als Netzwerker und Strippenzieher, der bereits als Jungspund schnell Karriere innerhalb der AfD und dessen Jugendorganisation Junge Alternative (JA) machte. So tauchte sein Name rasch als Vorstandsmitglied des AfD-Kreisverbandes Leverkusen auf. Zusammen mit Weggefährten aus der Burschenschaft Rhenania Salingia Düsseldorf war Noé, der publizistisch bereits vor der „Arcadi“-Zeit mit ersten Artikeln in der Postille „Blaue Narzisse“ auftauchte,  Gründer einer AfD-Hochschulgruppe an der Düsseldorfer Uni. 2019 war er auch Chefredakteur der JA-Veröffentlichung „Patria“.

Zu dem Zeitpunkt hatte der NRW-Verfassungsschutz „Arcadi“ längst ins Visier genommen. Dieser notierte in seinem 2018er-Bericht: „Arcadi positioniert sich als auf Jugendliche und junge Erwachsene ausgerichtetes Lifestyle-Magazin. Tatsächlich transportiert es überwiegend ideologische Themenfelder der Neuen Rechten. Arcadi ist primär darauf ausgerichtet, die Identitäre Bewegung zu unterstützen. (...) Insofern wird Publicatio e.V. zum unmittelbaren Umfeld der Identitären Bewegung in NRW gezählt.“