Neurechter Multiaktivist

Von Horst Freires
21.04.2017 -

Der Jungverleger und Publizist Philip Stein nimmt am morgigen Samstag an einer Diskussionsveranstaltung der rechtsextremen Studentenorganisation von „Casa Pound“ in Rom teil.

Der neurechte Jungverleger Stein zu Gast beim „Casa Pound“-Nachwuchs; (Screenshot)

Er hat sich zu einer der „Lichtgestalten“ der Neuen Rechten entwickelt: Philip Stein. Der Jung-Publizist und -Verleger wurde für den 22. April nach Rom eingeladen. Der Mittzwanziger steht auf der Gästeliste von „Blocco Studentesco“, einer 2006 ins Leben gerufenen extrem rechten Nachwuchsorganisation der sich als kulturrevolutionär verstehenden „Casa Pound“-Bewegung. Die landesweit aufgestellte Initiative sieht sich nach eigenen Angaben als Speerspitze und Avantgarde einer rechten Orientierung.

Stein soll am Samstag in Rom unter anderem neben Jeremy Bizu aus Marseille diskutieren, der der rechtsnationalistischen und demokratiefeindlichen Verbindung „Action Francaise“ angehört, die sich für eine Monarchie und einen Austritt Frankreichs aus der EU a la Brexit stark macht, von der aber auch antisemitische Töne zu vernehmen sind. Eingeladen ist zudem Miguel Blanco  von der ultranationalistischen „Nucleo Joven“ aus Madrid, ein Zusammenschluss, der seine Proteste gegen Flüchtlinge und Zuwanderer selbst als „identitär“ bezeichnet. Die aktionistischen italienischen „Casa Pound“-Jünglinge unterstützen derweil den syrischen Machthaber Assad und schwören ihm die Treue. Ihr Posting im Internet vom 7. April lautete: „Viva Assad!“.

Mitbegründer von „Ein Prozent“

Zu Steins Vita gehört ein Studium der Geschichte, Philosophie und Germanistik an der Universität Marburg  sowie die Mitgliedschaft in der rechten Burschenschaft Germania. In einem Tweet vom 31. März auf seinem Twitter-Account heißt es entsprechend: „Wer rechts der Mitte was werden will, wird Germane!“. Stein gilt als Schüler des rechtsintellektuellen Vordenkers Götz Kubitschek. Mit diesem hat er am 17. Februar des Vorjahres auf dessen Rittergut in Schnellroda den Verein „Ein Prozent“ gegründet, der als Spendenbeschaffer und Finanzierungsquelle rechtsgerichteter Aktivitäten dient. Dazu scheuen Stein & Co auch nicht die Nähe von Gruppen, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden wie etwa die „Identitäre Bewegung“.

Texte von Stein tauchten in dem zur Neuen Rechten zählenden Magazin „Blaue Narzisse“ von Felix Menzel und im Kubitschek-Organ „Sezession“ auf, dazu in der Zeitschrift „Neue Ordnung“ aus Österreich. Stein betätigte sich auch als Autor für die der rechten Szene zuzuordnende Periodika „Umwelt & Aktiv“. Im vergangenen Jahr besuchte er in der geschichtsrevisionistischen „Gedächtnisstätte“ im thüringischen Guthmannshausen eine derer Tagungen. Als Referent wird er zuweilen von rechtsorientierten Studentenvereinigungen in Österreich gebucht wie dem Grazer Korporationsring und dem Freiheitlichen Akademikerverband Steiermark am 30. April 2016.

„Justizskandal“ und „Schauprozess“

Aktuell propagiert Stein via „Ein Prozent“ eine Unterstützungskampagne für vier Angeklagte eines für Montag terminierten Prozesses am  Amtsgericht Kamenz (Landkreis Bautzen) in Sachsen. Den Männern wird Freiheitsberaubung vorgeworfen, weil sie einen Asylbewerber aus dem Irak am 21. Mai des Vorjahres gewaltsam aus einem Supermarkt in Arnsdorf herausgezerrt und mit Kabelbindern an einen Baum gefesselt haben sollen. In dieser Woche ist nun bekannt geworden, dass das damalige Opfer tot in einem Wald entdeckt wurde. Die Ermittlungsbehörden gehen davon aus, dass der Mann dort schon vor mehreren Wochen erfroren sei, ohne Einwirkung äußerlicher Gewalt. Stein & Co behaupten nun, in dem Verfahren „soll ein gerichtliches Exempel statuiert werden… Zivilcourage ist kein Verbrechen“ und nennen den Vorgang einen „Justizskandal“ und „Schauprozess“. „Ein Prozent“ will den finanziellen Rechtsschutz für die Angeklagten übernehmen und hat dafür in kurzer Zeit nach eigenen Angaben bereits 20 000 Euro zusammengetragen.

Weitere Artikel

Neurechte „Verteidiger Europas“

27.10.2016 -

Im oberösterreichischen Linz findet am Samstag ein Kongress mit Protagonisten des neurechten und rechtspopulistischem Spektrums statt – vertreten sind auch zahlreiche Vereinigungen und Verlage aus der Szene.

Die „Ein Prozent“-Nationalisten

31.12.2015 -

Seit einigen Wochen wird ein Projekt unter dem Namen „Ein Prozent für unser Land“ vorangetrieben. Dahinter stecken bekannte Namen aus der Neuen Rechten.

Netzwerk der Neuen Rechten

16.06.2015 -

Bei der 4. Auflage des neurechten „Zwischentags“ in Erlangen soll über „Geopolitik und Einwanderung“ gesprochen werden – mit dabei sind auch Vertreter vom äußersten rechten Rand.

Neue Rechte draußen vor der Tür

24.07.2014 -

Für ihr alljährliches Zusammentreffen „zwischentag“ müssen sich die Organisatoren neue Veranstaltungsräumlichkeiten suchen.