Neuer Neonazi-Treffpunkt in Südthüringen?

Von Kai Budler
01.02.2019 -

Erneut ist der Erwerb einer Immobilie in Südthüringen durch Neonazis bekannt geworden. Die Zahl der „braunen Häuser“ im Freistaat steigt damit auf mindestens 16 Immobilien an.

Gerücht hält sich, dass die Käufer des Gasthofs aus dem Umfeld des Neonazis Frenck stammen; Photo (Archiv): K.B.

Schon seit Sommer 2017 hält sich das Gerücht hartnäckig, dass Neonazis versuchten, einen Gasthof im südthüringischen Brattendorf im Landkreis Hildburghausen zu übernehmen. Nun scheint aus dem Gerücht bittere Realität geworden zu sein, wie die Thüringer Landtagsabgeordnete der Linken, Katharina König-Preuss jetzt erklärte. Tatsächlich liegt für das Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Fachwerkhaus ein notariell beglaubigter Kaufvertrag vor, der nach Informationen von bnr.de momentan geprüft wird. Im Exposé zum Haus heißt es, der Gasthof sei „weit über die Grenzen bekannt und erfreut sich großer Beliebtheit“. Neben der Gastronomie werden dort „weitere Nutzungsmöglichkeiten“ vorgeschlagen, „zum Beispiel als Schulungszentrum mit Kegelbahn, Diskothek oder ‚Wohnen und Arbeiten unter einem Dach‘“.

Käufer aus dem Umfeld von Frenck?

Thüringens Innenminister Georg Maier sagte lediglich, es gebe Bestrebungen von Neonazis zum Erwerb des Gasthofs, der Kaufpreis in Höhe von 250.000 Euro sei jedoch noch nicht beglichen worden. Eine Zahlung aber wird auch erst dann fällig, wenn die Prüfung des Kaufvertrages abgeschlossen ist. Hinter dem Kauf steckt die „GGA Grundstücksgesellschaft Auengrund mbH“, die im November in das Handelsregister beim Amtsgericht Jena eingetragen wurde. Als Sitz ist die Adresse des Gasthofs in Brattendorf angegeben, Gegenstand der GGA ist laut Gesellschaftsvertrag „der Erwerb von Grundstücken zum Zweck der Vermietung und das Betreiben gastronomischer Einrichtungen“.

Seit mehr als 14 Monaten hält sich das Gerücht, die Käufer des Gasthofes stammten aus dem Umfeld des langjährig aktiven Neonazis Tommy Frenck, der unweit von Brattendorf in Kloster Veßra seine Kneipe „Goldener Löwe“ betreibt. Bei der Landratswahl im Landkreis Hildburghausen hatte Frenck im April vergangenen Jahres 16,6 Prozent der abgegebenen Stimmen geholt. Damit stimmten mehr als 4.000 Wahlberechtigte für den bekennenden Neonazi, der sich als „einzige Alternative bei der Landratswahl im Landkreis Hildburghausen“ bezeichnete. Doch Frenck sucht man in den Unterlagen der GGA vergebens, als Geschäftsführer und einziger Gesellschafter ist dort lediglich der 1973 geborene Werner M. vermerkt, der seinen Wohnort im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt haben soll, inzwischen soll er bereits im südthüringischen Schleusingen wohnen.

900 Quadratmeter im Erdgeschoss

In Brattendorf hingegen hat Benjamin D. kürzlich seinen Wohnsitz angemeldet, der in Frencks Gasthof in Kloster Veßra als Koch arbeitet, Beobachter vermuten einen Kauf durch M. und seine GGA als Strohmann. Sollte auch D. in den Immobilienerwerb verwickelt sein, eröffnet der „Gasthof Haselbach“ ihm gute Möglichkeiten, einen neuen Treffpunkt für Neonazis in Südthüringen zu etablieren. Allein die Gaststätte im Erdgeschoss umfasst mit Kegelbahn und Lager eine Fläche von knapp 900 Quadratmetern, in den zwei Obergeschossen befinden sich Wohnungen und ein Büro mit einer Gesamtfläche von rund 270 Quadratmetern. Die Linken-Politikerin König-Preuss betonte, dass „Immobilien der extrem rechten Szene erfahrungsgemäß zu einer Etablierung und Verankerung extrem rechter Strukturen führen und damit eine Bedrohungssituation für nichtrechte Menschen entsteht“.

Mit dem Neuerwerb in Brattendorf stehen der extrem rechten Szene mindestens sechzehn Immobilen in Thüringen zur Verfügung, die sich im Besitz von Neonazis befinden oder auf die sie problemlos Zugriff haben. Erst im November 2018 war bekannt geworden, dass Tommy Frenck eine neue Immobilie erworben hatte. (bnr.de berichtete) Nachdem die Deutsche Bahn Widerspruch gegen den Zuschlag für den gelernten Koch bei der Versteigerung eingelegt hatte, war der Verkauf vorläufig gescheitert. (bnr.de berichtete)

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