Neonazistischer Bombenleger?

Von Andrea Röpke
01.02.2017 -

Mehr als 16 Jahre nach dem Sprengstoff-Anschlag in Düsseldorf nahmen die Ermittler einen rechten Militaria-Händler fest, der bereits vor Jahren als verdächtig galt.

Düsseldorfer Sprengstoff-Anschlag nach 16 Jahren vor der Aufklärung; Photo (Symbol): Hiero / pixelio.de

Ralf S. soll im Jahr 2000 die Rohrbombe im S-Bahnhof Wehrhahn in Düsseldorf gezündet haben, die zehn Menschen zum Teil schwer verletzte und eine Welle der Empörung in der Bundesrepublik hervorrief. Dem 50-Jährigen aus Neuss, der in Bochum und Düsseldorf und zuletzt in Ratingen lebte, wird vorgeworfen, am Nachmittag des 27. Juli 2000 eine Plastiktüte mit TNT an ein Geländer des S-Bahnhofes gehängt zu haben.

Die Opfer, sieben Frauen und drei Männer, stammten aus der ehemaligen Sowjetunion, sechs davon warem jüdischer, die anderen russisch-orthodoxer Konfession. Eine schwangere Frau verlor bei dem Anschlag ihr Kind. Die kleine Gruppe kam einem Bericht der antifaschistischen Zeitschrift „Lotta“ zufolge regelmäßig um diese Zeit von einem um 15.00 Uhr endenden Deutsch-Sprachkurs in einer nahe gelegenen Bildungseinrichtung. Ralf S. galt zum Zeitpunkt des Anschlags als Neonazi, heute zeigt er sich als Ex-Soldat und Security-Betreiber mit fremdenfeindlichen Ambitionen bei Facebook. 

Aussagen deuten auf Täterwissen hin

Bereits kurze Zeit nach dem Anschlag führte „Spur 5/81“ die Sondereinsatzgruppe der Polizei, genannt „EK Ackerstraße“, zu dem Mann in der Schützenstraße. Er galt als ausländerfeindlich und lebte in Tatortnähe. Hinweise aus  der Bevölkerung machten auf ihn aufmerksam. Anschließende Durchsuchungs- und Überwachungsmaßnahmen blieben anscheinend erfolglos. 2001 soll ein Aussteiger aus der rechten Szene den Ermittlern berichtet haben, Ralf S. habe ihm Waffen angeboten und geäußert: „So was wie am Wehrhahn, gleiche Konstruktion und gleiche Zündvorrichtung.“. 

Als der Aussteiger mit einem Bekannten bei S. angekommen sei, habe der gesagt:  „Ihr kommt zehn Minuten zu spät, da hat es hier ordentlich gerumpst und die
 Richtigen getroffen". Die Aussagen des Aussteigers deuteten sogar auf Täterwissen hin, als er von einer Cola-Flasche erzählte, in der sich das TNT in der Tüte befunden haben könnte. Davon war in der Öffentlichkeit nichts bekannt. Ralf S. aber widersprach den Angaben des Mannes.

Frühzeitig auf Neonazi-Kontakte hingewiesen

Auf Basis neuer Indizien hatten die Düsseldorfer Polizei und Staatsanwaltschaft zuletzt zwei Jahre lang intensiv gegen S. ermittelt, berichtet nun der „Spiegel“. Demnach  sichteten sie erneut zehntausende Seiten Akten, verfolgten alte Spuren, vernahmen Zeugen und überwachten S. umfangreich. Antifaschistische Gruppen hatten frühzeitig auf Ralf S.`s. gute Kontakte in die Neonazi-Szene hingewiesen,  die linke Düsseldorfer „Stattzeitung TERZ“ berichtete bereits 1999 in ihrer September-Ausgabe unter dem Titel „Düsseldorfer Neonazis bewaffnen sich?“ über dessen Umfeld.

Bei Facebook präsentiert sich Ralf S. in Militärkleidung, bei einer Schießübung oder als Detektiv. Nach dem Tod des Berlin-Attentäters Anis Amri äußerte sich Ralf S. Im Dezember 2016:  „... Wehe man findet keinen bei z.b. anschlägen dann kann man sich ja ’nen alten soldaten aussuchen oder so gruese an den düsseldorfer staatsschutz ... an dieser stelle ... traurig traurig“ Am 3. Januar 2017 fragte S., der jetzt im Verdacht steht einen der schwersten Anschläge der letzten Jahrzehnte verübt zu haben: „Was aber wollen wir .. Ruhe Frieden oder multikulturelle.“?

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