Neonazis rappen am „Kreuz“

13.01.2017 -

Brauner Hip Hop etabliert sich immer mehr in der rechten Musikszene. Am 4. Februar soll eine Veranstaltung „Rap am Kreuz“ stattfinden.

Brauner Hip Hop ist in; (Screenshot, Facebook)

Bereits seit Wochen wird die Werbetrommel für ein Konzert am ersten Samstag im Februar gerührt, bei dem die neonazistische Rapper-Szene unter sich ist. Unter dem Titel „Rap am Kreuz“ wollen „MaKss Damage“ (Julian Fritsch) aus Gütersloh, „Mic Revolt“ aus Thüringen sowie „Villain051“ (Patrick Killat) aus Berlin auftreten. Allem Anschein nach handelt es sich um ein weiteres Event im thüringischen Kirchheim (Ilm-Kreis), wo die „Erlebnisscheune“ inzwischen vom Betreiber Rainer K. auch den Namen „Erfurter Kreuz“ verpasst bekommen hat.

„Rap Holocaust“ von Killat

„MaKss Damage“ und „Mic Revolt“ gehen mit ihrem Sprechgesang rechtsextremer und rassistischer Texte einen sich ähnelnden Weg. So hat zuletzt beispielsweise mit „Vlanze Graphics“, welcher der Künstlername des Dortmunders Martin Wegerich ist, ein und derselbe Illustrator für beide Rapper gearbeitet und sich entweder um Booklet-Gestaltung oder um die grafische Ausarbeitung von Merchandising-Artikeln gekümmert. „Vlanze Graphics“ erledigt im Übrigen auch Aufträge für andere Rechtsrock-Bands und Tonträger-Labels.

Killat ist solo unterwegs, aber auch mit dem Liedermacher „RAW“ (Abkürzung für Recht auf Wahrheit) im Duo „A3stus“ aktiv. Einen größeren Bekanntheitsgrad verschaffte er sich unter anderem durch seinen Auftritt am 26. Oktober 2014 bei der gewalttätigen, islamfeindlichen HoGeSa-Demonstration in Köln. Ein Stück aus seinem Repertoire trägt den Titel „Rap Holocaust“ – offenkundig den gezielten Tabubruch immer im Auge habend. Dieser gelang Killat auch, als er Anfang 2015 einen Videodreh am Berliner Holocaust-Denkmal inszenierte und dafür zusammen mit „Dee Ex“ (Mia Herm) auf den an die Ermordeten erinnernden Stelen tanzte. (hf)

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