Neonazi-Urgestein „Faustrecht“

Von Sebastian Lipp
14.08.2018 -

Einem Gerichtsurteil zufolge besingt die Band Rassenkrieg und Nationalsozialismus.

Der „Faustrecht” -Frontmann ist vor Gericht gescheitert; Photo (Symbol:) Thorben Wengert / pixelio.de

Die Band Faustrecht” ist ein Neonazi-Urgestein, das Rassenkrieg und Nationalsozialismus besingt. Das geht aus einem Urteil des Landgericht Kempten vom 30. Juli 2018 hervor, dessen schriftliche Begründung vor Kurzem vorgelegt wurde. Norbert Nogge” Lecheler hatte versucht, einem Journalisten diese Behauptung gerichtlich untersagen zu lassen und dadurch die Verbreitung einer Broschüre zu unterbinden, die über die Neonazis-Szene im Allgäu informiert. Die Klage des Faustrecht-Sängers entwickelte sich zum Eigentor.

Faustrecht” als missverstandene linke Musikgruppe? Oder gar unpolitisch? Szene-Anwalt Alexander Heinig, der Lecheler vertreten hat, suggeriert das in einem Schriftsatz an das Landgericht Kempten. Aufgrund von Stücken wie dem oben genannten ‚Klassenkampf‹ ist die Band auch innerhalb der rechten Szene immer wieder Anfeindungen ausgesetzt, weil teilweise behauptet wird, dass es sich bei ihnen ja eigentlich um ‚Linke‹ handele, schrieb der Ex-Rechtsrocker für seinen Mandanten. Der Text des Stückes stehe im direkten Widerspruch zur nationalsozialistischen Ideologie, behauptet der Anwalt. Tatsächlich seien sogar die meisten Lieder der Band nicht politischer Natur“.

Begriff des Volkes sehr in den Vordergrund gestellt

Das abwegige Schreiben wirkt wie ein verzweifelter Versuch, das Ruder doch noch herumzureißen. Nach der mündlichen Gerichtsverhandlung Anfang Juli zeichnete sich bereits ab, dass der Richter nicht im Sinne von Norbert Lecheler entscheiden würde. Der Kläger hatte argumentiert, dass Faustrecht weder Rassenkrieg noch Nationalsozialismus besinge. Denn diese Wörter fielen in keinem der rund 100 Lieder, die die Band seit den 90er Jahren veröffentlicht habe. Der beklagte Journalist betonte, dass es seiner Analyse nach aber genau darum gehe.

Daran hat auch das Gericht keinen Zweifel, wie aus der schriftlichen Urteilsbegründung hervorgeht, die bnr.de vorliegt. Anhand der Lektüre der vom Faustrecht-Frontmann gesungenen Liedtexte Unsere Fahnen und Es kommt der Tag könne man nur zu diesem Schluss kommen. Unter anderem würde der in den Liedern sehr in den Vordergrund gestellte Begriff des Volkes, die unbedingte Treue zur Fahne und die Bereitschaft, dafür in den Tod zu gehen genau dem entsprechen, was seinerzeit die Anführer und Anhänger der NSDAP stets propagierten.

Absolut eindeutiger Bezug zur nationalsozialistischen Rassenlehre

Ebenso klar und eindeutig sei die Assoziation des von Lecheler gesungenen Textes White Liberty (Weiße Freiheit) mit dem Rassenkrieg, urteilt das Gericht: Diese Aussagen lassen überhaupt keine andere Deutung zu, als diejenige, wonach der ‚weiße Mann‘ sein Überleben im Kampfe gegen andere Rassen sicherstellen soll und muss. Auch hierbei handelt es sich um einen absolut eindeutigen Bezug zur nationalsozialistischen Rassenlehre, welche die Überlegenheit des weißen ‚arischen‘ Mannes stets in den Mittelpunkt ihrer gesamten ldeologie stellte.

Die Bezeichnung als Nazi-Urgestein trifft nach Einschätzung der Richter am Landgericht Kempten ebenfalls voll und ganz zu. Schon seit den 90er Jahren ist die Band aus dem Umfeld von Blood&Honour und anderer verbotener militanter Gruppierungen durchgehend im Visier der Behörden. Insbesondere in der Anfangszeit der Gruppe landeten zahlreiche Liedtexte auf dem Index.

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