Neonazi-Ritual wirft seine Schatten voraus

Von Horst Freires
09.12.2019 -

Am 14. Dezember soll es in „Mitteldeutschland“ ein Rechtsrock-Konzert mit mehreren Bands geben – angekündigt als vorweihnachtliches „Julfest“.

Braunes „Julfest“ als TddZ-Solidaritätsaktion; (Screenshot)

Das braune Spektaktel am 14. Dezember wird als Solidaritätsaktion für den jährlich von Neonazis zelebrierten „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ) ausgerufen. Zum TddZ-Ritual versammelt sich die Neonazi-Szene unterschiedlichster Couleur stets Anfang Juni. Das in Norddeutschland 2009 in Pinneberg ins Leben gerufene Demonstrations-Event dehnte sich in den vergangenen Jahren bundesweit aus. In diesem Jahr ging man in Chemnitz auf die Straße, nächstes Jahr soll das braune Spektakel zum zwölften Mal stattfinden und ist für den 6. Juni in Worms terminiert.

Die Teilnehmerzahlen der vergangenen Stationen in Karlsruhe, Goslar und Chemnitz waren aus Sicht der Organisatoren mit maximal 300 Aktivisten doch vergleichsweise schwach, zumal es jeweils einen langen Werbevorlauf mit regionalen Infoveranstaltungen und -ständen gab. Als etablierter Begleitfaktor wurde von dem Label PC Records (Chemnitz) ein Rechtsrock-Sampler diverser Bands und Liedermacher veröffentlicht. Damit soll die TddZ-Kampagne finanziert werden. Für den entsprechenden 2020-Tonträger werden aktuell teilnehmende Bands per Aufruf gesucht – als neuer Kampagnen-Partner diesmal von Front-Records (Landkreis Leipzig). Und auch in Worms wird bereits die Werbetrommel gerührt. So wurden in der vor Tagen an einem Stand des Nibelungen-Weihnachtsmarktes bereits Hinweis-Flyer verteilt und Waren zugunsten des TddZ-Aktionstages verkauft, ohne dass vor Ort eingeschritten wurde. Ein Privatmann hatte sich laut Stadt Worms mit falschen Angaben die Standgenehmigung besorgt. Auf ihrer Facebook-Kampagnen-Seite feiern die Neonazis nun diesen Coup.

„Kraftschlag“ aus dem selbst erklärten Ruhestand reaktiviert

Für das anstehende Konzert am 14. Dezember, das nicht auf der Kampagnen-Seite angezeigt wird, sondern klandestin beworben wird, finden sich unter dem Motto „Julfest“ fünf verschiedene Acts. An erster Stelle steht dabei der Name von „Kraftschlag“ um Sänger Jens-Uwe Arpe, die sich damit zum wiederholten Male vom 2018 selbst erklärten Ruhestand reaktiviert. Ein weiteres Rechtsrock-Urgestein ist die zwischenzeitlich viele Jahre inaktive Band „Notwehr“ aus Nordrhein-Westfalen, die erst wieder 2018 zusammengefunden hat. In ihrem 1997 erschienenen Stück „Volksaufstand“ geht es um Umsturzwünsche und Kriegsgelüste. Darin heißt es: „Denn dann wackeln die Paläste und erschüttern die Parteien, dann ist Deutschland wieder frei, genau so soll es sein. Und dann holen wir uns Danzig, Breslau und Stettin, und dann regieren Kameraden im Reichstag zu Berlin.“ Ebenfalls aus Nordrhein-Westfalen wird „Projekt Chaos“ angekündigt.

Ferner sollen die Musiker von „Mjöllnir“ aus dem Raum Worms dabei sein, die auch bereits seit 25 Jahren aktiv sind. Die Combo ist auf dem TddZ-Sampler von 2019 ebenso vertreten wie „Sick Society“, die ebenfalls aufspielen sollen.