Neonazi Krüger macht Kommunalpolitik

Von Rike Schröder
09.07.2019 -

Das neue Mitglied der Gägelower Gemeindevertretung und mehrfach verurteilte Neonazi Sven Krüger hat an der konstituierenden Sitzung der Gemeindevertretung Gägelow teilgenommen.

Kommunalpolitiker und Neonazi Krüger (l.o.) bei der Sitzung der Gemeindevertretung; Photo: Ronny Wolff

Nachdem der mehrfach verurteilte Neonazi Sven Krüger aus Jamel bei den Kommunalwahlen im Mai in die Gemeindevertretung gewählt wurde, nimmt auch er an den Sitzungen teil. Anfang Juli fand die konstituierende Sitzung der Gemeindevertretung Gägelow statt. Die einschlägig bekannten Neonazis Krüger, Tino Streif und Steffen Meinecke aus Jamel, hatten sich zu den Wahlen als „Wählergemeinschaft Heimat“ aufgestellt. Mit 281 Stimmen (6,7%) erzielte Krüger dabei das zweitbeste Ergebnis aller Kandidaten für das Kommunalparlament.

Bereits während des Wahlkampfes gab sich die „Wählergemeinschaft Heimat“ als bürgernah. Der selbstgesetzte Schwerpunkt der politischen Arbeit liegt in den Bereichen Heimat und Tradition. Themen, wie traditionelle Familie sowie den strukturellen Ausbau des ländlichen Raumes will Krüger künftig bespielen.

Mitglieder der „Wählergemeinschaft“ im Schlepptau

Ebenso zurückhaltend wie im Wahlkampf gab sich Krüger auch während der  ersten Gemeindevertretersitzung in Gägelow. Als Unterstützung hatte er  die beiden anderen Mitglieder der „Wählergemeinschaft“ Streif und Meinecke im Schlepptau. Als Stellvertreter des Bürgermeisters hatte sich Krüger sich genauso wenig aufstellen lassen, wie sich in die Ausschüsse wählen zu lassen. Stattdessen setzte Krüger sein freundlichstes Lächeln auf und bemühte sich im Smalltalk mit den anderen Vertretern.  

Ein Umdenken bezüglich seiner rechtsextremen Gesinnung hat Krüger allerdings keineswegs vollzogen. Gerade vor wenigen Wochen veranstaltete er gemeinsam mit der kameradschaftsähnlichen Struktur „Dorfgemeinschaft Jamel“ die jährliche Feier zur Sommersonnenwende. Gemeinsam mit Anhängern der „Hammerskins“, NPDlern, Kameradschaftlern oder Ex-Mitgliedern der verbotenen HDJ feierten sie die national, völkische Brauchtumsfeier. Unter den Gästen der Sonnenwendfeier befand unter anderem David Petereit, dessen Verbindungen zum NSU weiterhin ungeklärt sind. Oder David Mallow, der nicht nur Mitglied der Kameradschaft „Aktionsblog Rostock“ ist, sondern auch mehrfach bei Seminaren der rechten Kampfsport-Combo „White Rex" teilnahm sowie bei Kampfsport-Events der Neonazi-Szene antrat.

Bürgermeister wünscht sich konstruktive Zusammenarbeit

Neben Krüger als neues Mitglied in der Gemeindevertretung hat die  Gemeinde Gägelow mit dem Friedel Helms-Ferlemann (CDU) auch einen  neuen Bürgermeister. Helms-Ferlemann löste damit den jahrelang  amtierenden Uwe Wandel ab. Wandel war in Vergangenheit mehrfach in die  Kritik aufgrund seines Umgangs mit den Neonazis in Jamel geraten. Eine klare Abgrenzung zu dem Treiben im „Nazi-Dorf“ hat es nie gegeben. Mehrfach suchte Wandel den Kontakt zu den Rechtsextremen. Ob sich an dieser Strategie mit dem neuen Bürgermeister etwas ändern wird, ist nach der vergangenen Sitzung nicht zu erwarten. In seinen Eröffnungsworten nach seiner Amtseinführung betonte der CDU-Politiker Helms-Ferlemann, er wünsche sich für die Zukunft eine konstruktive Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern der Gemeindevertretung. Dafür solle man doch seine persönlichen Befindlichkeiten zurückstellen.

Deutliche Worte zum Thema Neonazis findet hingegen die Stellvertreterin und Linken-Politikerin Simone Oldenburg. Auch sie war, ähnlich wie Wandel, aufgrund ihres Umgangs und der fehlenden klaren Abgrenzung zu den Machenschaften in Jamel in die öffentliche Kritik geraten. Nun, da der sich als Jameler Dorfchef gerierende Krüger mit am runden Tisch sitzt, positioniert sich die Linken-Landtagsabgeordnete in ihrem Statement zur zukünftigen politischen Arbeit klar gegen die Neonazis. Sie verlas die Demokratieeklärung der Gemeindevertretung Gägelow, die von SPD, CDU, Linken, der WGG und einem Einzelbewerber unterzeichnet wurde. Sie will sich für eine Stärkung der Demokratie und Toleranz und gegen Antisemitismus, Rassismus sowie Fremdenfeindlichkeit einsetzen. Die Neonazis sollen keinen Fuß weder in den Parlamenten noch in der Gesellschaft fassen. Inwieweit diese gegensätzlichen Strategien des Bürgermeisters und seiner ersten Stellvertreterin zum Umgang mit den Neonazis in der Gemeinde Gägelow miteinander harmonieren können, bleibt abzuwarten.