Neonazi-Event ohne Kampfsport

Von Horst Freires
19.06.2019 -

Das am Wochenende im sächsischen Ostritz stattfindende „Schild- und Schwert“-Festival kann lediglich als Rechtsrock-Veranstaltung stattfinden.

Schlappe für den Organisator Thorsten Heise; (Screenshot)

Bereits wenige Tage vor der dritten Auflage des „Schild- und Schwert“-Festivals (SuS) auf dem Privatgelände des ehemaligen Hotels „Neißeblick“ im sächsischen Ostritz am 21. und 22. Juni muss Organisator Thorsten Heise eine Schlappe hinnehmen: Der seit Monaten angekündigte Programmteil von Kampfsportduellen musste abgesagt werden, weil sich angeblich nicht ausreichend Kämpfer beim Veranstaltungspartner „Kampf der Nibelungen“ gemeldet haben.

Damit bleibt ein größeres Rechtsrock-Event in der Nähe der polnischen Grenze, von dem unklar ist, wie viele Besucher es tatsächlich anziehen wird. Bei der zuständigen Genehmigungsbehörde hat der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende und thüringische Landesvorsitzende Heise für die als politische Kundgebung deklarierte Zusammenkunft 750 angemeldet – ein Bruchteil dessen, was auf dem Areal an Kapazität tatsächlich Platz finden würde. Kalendarisch gibt es am Sommersonnenwend-Wochenende aber bundesweit auch viele kleinere dezentrale braune Brauchtumsfeiern.

Hassmusik als Anziehungspunkt

Während das Musikprogramm schon lange im Vorwege aufgelistet und beworben wurde, hat Heise sich diesmal bei der Bekanntgabe der Redner noch bedeckt gehalten. Neben Verkaufsständen diverser Szenehändler bleibt lediglich die Hassmusik als Anziehungspunkt. Offiziell wird dabei der „Abschied“ der Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ um Hannes Ostendorf propagiert. Umgekehrt wird laut Ankündigung mit „Radikahl“ ein Rechtsrock-Urgesteinprojekt von Sänger Manfred Wiemer wieder aktiv, um das es lange ruhig war. Erst im Vorjahr wurde der aus dem Jahr 1992 stammende Debüt-Tonträger „Retter Deutschlands“ der Band von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert.

Als weitere Combos werden „LTW“ aus Polen sowie „Brutal Attack“ mit Ken McLellan aus Großbritannien angekündigt. Weitere Bühnen-Acts kommen von „Hausmannskost“, „Frontalkraft“, „Frontfeuer“ und „Flak“. Ferner gehören Die „Lunikoff Verschwörung“ von Sänger Michael Regener sowie „Sons of Odin“ zum Line-Up. Ebenfalls dabei: der schon lange in Deutschland lebende Kanadier David Allen Surette, besser bekannt als „Griffin“, dem wie den meisten teilnehmenden Szene-Musikern Kontakte ins internationale „Blood&Honour“-Netzwerk nachgesagt werden, das auf seiner Homepage auch den Ostritz-Termin bewirbt.

Schon herbe Pleite beim „Eichsfeldtag“

Heise hatte zuletzt im Vormonat bei der von ihm organisierten Reihe „Eichsfeldtag“ im thüringischen Leinefelde eine herbe Pleite hinnehmen müssen: Zu dem Rechtsrock-Meeting kamen laut Polizei nicht einmal 150 Besucher. Beim SuS im April 2018 wurden 1300 Neonazis gezählt, im vergangenen November dann rund 1200.

In Ostritz zeigt sich aber auch Gegenprotest: Viele zivilgesellschaftliche Organisationen mobilisieren bereits ab Donnerstagabend (20.6.) zu Infoveranstaltungen in den kleinen Ort im Landkreis Görlitz. Außerdem gibt es einen Aufruf zur Beteiligung an einer Demonstration unter dem Tenor „Rechts rockt nicht“.