Mutmaßliche Terrorgruppe „Nordadler“

Von Andrea Röpke
17.04.2018 -

Razzia im Auftrag der Generalbundesanwaltschaft bei mehreren Personen in Norddeutschland. Sie stehen im Verdacht, Anschläge auf politische Gegner „in Erwägung“ gezogen zu haben.

Mutmaßliche Terrorgruppe „Nordadler“ aufgeflogen; (Screenshot, Facebook)

Erstaunlich viele Rechte wussten von der Existenz der heute aufgeflogenen mutmaßlichen Terrorgruppe „Nordadler“. Vom AfD-Ratsherr aus Papenburg über die Vorsitzende des „Rings Nationaler Frauen“, dem Hamburger NPD-Vorsitzenden, dem stellvertretenden NPD-Vorsitzenden aus dem Eichsfeld, den „Patrioten für Niedersachsen“, dem niedersächsischen NPD-Chef  bis hin zum bekannten Neonazi Meinolf Schönborn kannten offenbar viele die Gruppe um Wladislav S. und  Patrick S., etwa 1600 User  sollen sie gelikt haben.

Heute im Morgengrauen gingen Polizeibeamte im Auftrag der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe gegen die beiden Männer aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein sowie zwei weitere aus dem Großraum Bremen und dem Emsland vor. Die Gruppe steht im Verdacht, Anschläge auf politische Gegner „in Erwägung“ gezogen zu haben.  Die Mitglieder sollen sich bemüht haben, an Waffen, Munition und Baumaterial für Brand- und Sprengvorrichtungen heranzukommen. Gefunden wurde anscheinend nichts davon, Datenträger aber beschlagnahmt. Festnahmen gab es nicht.

Zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt

Auf den Namen des 22-jährigen Beschuldigten Wladislav S. aus dem Landkreis Northeim  ist unter anderem die Homepage „Nordadler.org“  angemeldet, der  Facebook-Eintrag der Gruppe  wurden von mehr als 1000 Usern abonniert. 2016 versuchte S. Kontakt zur „Identitären Bewegung aufzubauen“. Der junge Rechtsextremist aus Katlenburg-Lindau  hat aber eine kriminelle  Vorgeschichte: 2017 wurde er vom Landgericht Braunschweig zu 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil er einen 27-jährigen Bekannten bei einer staatsgefährdenden Tat unterstützt haben soll. Der Freund Sascha L., der von der Neonazi-Szene zur islamistischen Szene wechselte, habe Anschläge auf Soldaten oder Polizeibeamte geplant und erhielt eine mehrjährige Strafe. Wladislav S. soll den Konvertiten zu einer Probesprengung begleitet und dabei gefilmt haben.

Die Gruppe „Nordadler“ gründete sich spätestens Anfang 2017, im September erschien der Post: „Warum ich die AfD wähle!“ Die „Nordadler“-Gruppe aber wollte anscheinend mehr. Gemeinsam mit so genannten „Campingfreunden Mitteldeutschland“ sollten eigenen Angaben zufolge im Harzvorland neue rechte Infrastrukturen im „Zentrum der BRD“ geschaffen werden, für den Erwerb von Immobilien an „Angelpunkten“ in Thüringen oder Sachsen-Anhalt wurden Spenden gesammelt. Das Ziel: Eine auf „Völkischem Bewusstsein Basierende Gemeinschaft Germanischen Glaubens“ (im Original). Vorgestern ein „Nordadler-Team“ mit lieben Grüßen, es seien fünf Leute „dauerhaft“ an Renovierungsarbeiten und 13 weitere zu Besuch da gewesen. Man habe im Garten 120 Quadratmeter Acker umgegraben und das Haus gereinigt. Fotos zeigen eine Mittelgebirgslandschaft und ein baufälliges Fachwerkhaus. Auf der Homepage der Organisation ist von der „Kampfzeit“ und der „Gesundung“ des eigenen Volkes die Rede. 

Facebook-Freunde aus der rechtsextremen Szene

Zu den Verdächtigen der mutmaßlichen Terrorgruppe zählt auch Patrick S. aus dem Landkreis Pinneberg. Bei Facebook ist der bärtige Mann mit vielen Personen, die Rang und Namen in der rechtsextremen Szene haben, befreundet. Antifaschistischen Recherchen zufolge führte S. die Anti-Asylgruppe „Schleswig-Holstein wehrt sich“ mit an. Im Januar 2016 rief sie zu einer Demonstration nach Boostedt auf, an der sich aber nur knapp ein Dutzend Neonazis beteiligten. Der 37-Jährige S. post auf einem der Fotos von „Nordadler“ auf einem Berg vor einem Tannenwald.

S. schwärmt für den völkischen Flügel der AfD ebenso wie für den „Widerstand Freital“ oder „die Hüter der Irminsul“ sowie den braunen Barden Frank Rennicke. Sein Facebook-Account erscheint antisemitisch und NS-freundlich. Im Januar 2016 beschrieb der Norddeutsche mit wirren Worten ein „Sieges-Szenario“, demzufolge ganz Deutschland „ein chaotisches Arbeitslager“ sei. Die Postings der beiden bisher bekannten Verdächtigen deuten auch auf Kontakte ins „Reichsbürger“-Milieu der Szene hin.

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