Mode für die braune Szene

29.07.2020 -

Dortmund – In Dortmund hat ein neuer „Tønsberg“-Shop eröffnet, der die bei Rechtsextremisten beliebte Modemarke „Thor Steinar“ anbietet.

In der rechtsextremen Szene beliebte Accessoires; Photo (Archiv): M.K.

„Thor Steinar“ unterhält derzeit bundesweit zehn Shops. Außer in Dortmund befinden sich diese alle in ostdeutschen Städten oder in Berlin. Als vor rund einem Jahr das erste „Tønsberg“-Ladenlokal  in Dortmund öffnete, sorgte das für Unruhe. Es fanden Gegenproteste statt, Neonazis der Kleinstpartei „Die Rechte“ (DR) zeigten sich demgegenüber solidarisch mit dem Geschäft. (bnr.de berichtete) Am Ende musste der Shop schließen, weil das Ladenlokal in Räumen eröffnet worden war, welche laut Bauordnung keine Nutzungserlaubnis für diese Zwecke hatten.

Das neue Geschäft wurde diese Woche nun in einem zuvor leer stehenden Ladenlokal eröffnet. Eine Immobiliengesellschaft mit Sitz im rheinischen Düren hatte die in schlechter Lage liegenden Räume vermietet, ohne den Hintergrund des neuen Mieters zu erkennen. Laut eines Berichts im Lokalblog „Nordstadtblogger“ will man den Mietvertrag umgehend wieder kündigen. Und schon am Montag wurde eine Nazigegnerin die Fotos von dem Laden machen wollte, von einem Mann rabiat angegangen. Die Polizei nahm Ermittlungen auf. Laut WDR habe der Mann gesagt, mit Rechtsextremismus nichts zu tun zu haben, stehe aber offenbar Rockern nahe. Unterdessen wurden erste antifaschistische Gegenproteste für Donnerstag angekündigt. 

„Die Rechte“ begrüßt die Neueröffnung

Mehr oder weniger exklusiv auf die Neueröffnung hingewiesen hatten die Neonazi-Partei „Die Rechte“ (DR) und deren Ratsmann Michael Brück. Sie meldeten am Montag gegen Mittag auf ihren Kanälen im Messenger-Dienst Telegram: „Seit heute hat Thor Steinar ein neues Ladenlokal in Dortmund eröffnet. Herzlich willkommen zurück!“ Verlinkt war dazu eine Meldung auf einem der Partei sehr nahe stehenden Portal. Dort hieß es, die Modemarke präsentieren nun „feierlich die Neueröffnung eines Ladenlokals“ und der „Sieg [der Behörden und Gegendemonstranten vor Monaten sei] nur von temporärer Dauer“ gewesen.

In Essen hatte zuvor ein „Oseberg“-Shop rund zehn Jahre lang exklusiv „Thor Steinar“-Kleidung angeboten. Im Frühjahr 2019 endete dieses Kapitel – im Herbst 2019 eröffnete dann in Dortmund der erste „Tønsberg“-Shop. Dass „Thor Steinar“ ausgerechnet im östlichen Ruhrgebiet als derzeit einzige Großstadt im Westen einen Shop dauerhaft platzieren will verwundert nicht. Dortmund gilt seit Jahren als eine Hochburg der rechtsextremen Szene in Nordrhein-Westfalen. Die Stadtverwaltung kündigte indes an, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, „um zu verhindern, dass Thor Steinar in Dortmund Fuß fasst.“ (mik)