Mit Rechtsrock in den Wahlkampf

Von Horst Freires
09.03.2018 -

In der Stadthalle Wetzlar soll am 24. März eine NPD-Veranstaltung mit Redebeiträgen und brauner Musik stattfinden.

Tiefbraune Klänge unter dem NPD-Schirm; (Screenshot)

Hessen wählt am 28. Oktober einen ein neuen Landtag. Die NPD setzt in ihrem Wahlkampf dabei auf Rechtsrock und hat dafür sogar juristisch gestritten. Am 24. März sind gleich mehrere Bands und Liedermacher der braunen Szene in der Stadthalle Wetzlar zu hören.

Vor dem Verwaltungsgericht Gießen und der Folgeinstanz, dem Verwaltungsgerichtshof Kassel, erstritt sich die NPD das Recht auf eine Wahlkampfveranstaltung am 24. März in der Stadthalle von Wetzlar. Dass es sich dabei vorwiegend um ein Rechtsrock-Konzert handelt, sickerte erst vor wenigen Tagen durch. Um den Charakter einer Wahlveranstaltung mit dem Titel „Familie – Heimat – Nation“ zu wahren, sind allerdings diverse Redebeiträge vorgesehen. In Wetzlar stellt die rechtsextreme Partei gleich fünf Vertreter im Stadtparlament.

Michael Brück und Sven Skoda auf der Rednerliste

Mit ihrem stellvertretenden Landesvorsitzenden und Landesgeschäftsführer Daniel Lachmann als Spitzenkandidat geht die NPD in den Wahlgang. Die für den Wahlantritt erforderlichen Unterstützungsunterschriften hat sie nach eigenen Angaben bereits dem Landeswahlleiter übergeben. Der vom Bundesvize Thorsten Heise propagierte neue Kurs der NPD unter dem Begriff „Völkischer Flügel“ (bnr.de berichtete) hin zu einer breiteren Öffnung gegenüber dem gesamten braunen Spektrum wird auf der Rednerliste für die Veranstaltung deutlich dokumentiert. Dort soll nämlich auch Michael Brück aus Dortmund auftreten, stellvertretender Landeschef der neonazistischen Kleinstpartei „Die Rechte“. Dazu soll ebenso Sven Skoda aus Düsseldorf sprechen, ein seit Jahren führender Kopf der parteiungebundenen Neonazi-Bewegung.

Neben Lachmann soll auch der Landesvorsitzende der Jungen Nationalisten (JN), wie sich die NPD-Jugendorganisation neuerdings nennt, Thassilo Hantusch auftreten. Auf der Rednerliste stehen ferner noch der Anfang des Jahres neu gewählte JN-Bundesvorsitzende Christian Häger aus Rheinland-Pfalz, der bestens in die freie Kameradschaftsszene eingebunden ist, dessen Stellvertreter Dominik Stürmer aus Baden-Württemberg, die langjährige NPD-Funktionärin Ariane Meise aus Nordrhein-Westfalen, die NPD-Altvordere Doris Zutt aus Waren  (Müritz) sowie der NPD-Bundesorganisationsleiter Sebastian Schmidtke aus Berlin.

„Flak“ und „Oidoxie“ für das Konzert beworben

Oben in der Werbung für das Konzert steht der Name der rechtsextremen Hooligan-Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“. Aus deren Umfeld wurde vor mehreren Wochen bereits vielsagend auf einen Auftritt am 24. März in „Mitteldeutschland“ hingewiesen. Zuvor will der Bremer Sänger Hannes Ostendorf aber den „Thügida“-Aktivisten um David Köckert am Freitag kommender Woche noch ein Interview geben. Köckert kandidiert am 15. April in der thüringischen Stadt Greiz als Parteiloser für den Bürgermeisterposten.

Für die Bühne vorgesehen an dem Samstag ist zudem „Flak“ aus Nordrhein-Westfalen um Sänger Philipp Neumann. Dieser bewirbt die Zusammenkunft in Wetzlar als reine Konzertveranstaltung ohne einen Hinweis auf die NPD als Gastgeber, obwohl er dieser selbst angehört. Zum weiteren Line-up für den 24. März gehören „Oidoxie“ aus dem Raum Dortmund, „Mortuary“ (übersetzt Leichenhalle) aus dem Raum Magdeburg und Wolmirstedt, die jüngst auf ihrer Facebook-Seite zum Todestag von Horst Wessel ein Foto des SA-Sturmführers posteten. Ebenso angekündigt werden die vom Verfassungsschutz in Hessen gelistete Band „Faust“ um Patrick Janssen sowie das aus Mecklenburg-Vorpommern kommende Liedermacherprojekt „F.i.e.L“ (Fremde im eigenen Land).

Werbetrommel für „Tag der deutschen Zukunft“

Wie bei ähnlich organisierten Musikveranstaltungen werden diverse Infostände aufgebaut sein. Aufgeführt sind in einer Vorankündigung neben NPD und JN unter anderem die Online-Vertriebe Ansgar Aryan (Patrick Schröder) und Germania Versand (Patrick Weber), die Videogruppe „Media Pro Patria“, die Konkurrenzpartei „Die Rechte“ sowie das parteiungebundene Mobilisierungsprojekt „Tag der deutschen Zukunft“, das für den Aufmarsch am 2. Juni in Goslar die Werbetrommel rührt. Rechtfertigend wie vielsagend heißt es auf dem NPD-Flyer zur Wetzlar-Veranstaltung: „Die vereinnahmten Gelder werden für die Deckung der Unkosten genutzt. Es wird keine Gewinnerzielung verfolgt!“ 

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