Mehrfach verurteilter Holocaust-Leugner verschieden

Von Anton Maegerle
12.04.2018 -

Der österreichische Neonazi und Antisemit Gerd Honsik ist Medienberichten zufolge vergangenes Wochenende offenbar im ungarischen Sopron gestorben.

Der jetzt verstorbene Neonazi Gerd Honsik hatte ein erhebliches Strafregister; Photo (Symbol: bnr.de)

Seinen politischen Werdegang startete der mehrfach einschlägig verurteilte Honsik (Jahrgang 1941) im Jahr 1958. Damals war er Mitbegründer der „Pennalen deutschen Burschenschaft Markomannen“. 1961 trat Honsik erstmals als Südtirol-Terrorist in Erscheinung. Er war an Anschlägen in Wien beteiligt, unter anderem bei der Hinterlegung eines Brandkörpers mit Zeitzünder bei der italienischen Fluggesellschaft Alitalia, beim Deponieren von Sprengkörpern vor der US-amerikanischen Botschaft und dem Parlament sowie bei Schüssen auf letzteres.

Nach dem damaligen österreichischen Strafgesetz wurde Honsik zu vier Jahren „schwerem Kerker“ verurteilt. Ab 1967 war der unverbesserliche Neonazi Funktionär der später verbotenen Nationaldemokratischen Partei (NDP). 1976 warf er eine Rauchbombe in das Wiener Künstlerhauskino und wurde zu einer 15-monatigen Haftstrafeverurteilt. Seit 1980 gab Honsik – mit zeitlichen Unterbrechungen – das antisemitische Hetzblatt „Halt“ heraus.

Verurteilt wegen NS-Wiederbetätigung

Honsiks Vorstrafenregister reichte, so interne Unterlagen des österreichischen Innenministeriums, von Verurteilungen nach dem Sprengstoffgesetz, dem Waffengesetz, wegen erfolgter Beleidigungen, übler Nachreden, Verhetzung, wegen schwerer Sachbeschädigung, wegen Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole, bis hin zur NS-Wiederbetätigung. 1990 wurde der Holocausat-Leugner vom Amtsgericht München wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfens des Andenkens Verstorbener und Aufstachelung zum Rassenhass zu einer Haft- und Geldstrafe verurteilt. Zwölf Monate Haft mit Bewährung kassierte Honsik1992 bei einer Verurteilung durch das Bayerische Oberste Landgericht wegen Verbreitens der „Auschwitz-Lüge“.

Honsik, 2003 Mitbegründer des 2008 bundesweit verbotenen „Vereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten“ (VRBHV), wurde zuletzt 2010 vom Obersten Gerichtshof in Wien wegen NS-Wiederbetätigung zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Doch bereits 2011 erfolgte die vorzeitige Entlassung Honsiks wegen seines „hohen Alters“. Bis 2015 meldete sich der Holocaust-Leugner regelmäßig auf seiner Website „Radio Deutsch-Österreich. Honsiks Wort zum Sonntag“ zu Wort.

Agitation von Südspanien aus

Per Mausklick nahm Honsik an seinem damaligen Wohnsitz in Torremolinos nahe Malaga auch gerne Buchbestellungen entgegen. Im „Angebot“ waren Werke von Altnazis wie Otto-Ernst Remer und Theodor Soucek. Lieferbar war auch das Honsik-Machwerk „Schelm und Scheusal“, das in Österreich verboten ist. In der Hetz-Schrift wird der 2005 verstorbene „Nazi-Jäger“Simon Wiesenthal attackiert.

Von Spanien aus hatte Honsik bereits in den Jahren von 1992 bis 2007 agitiert, nachdem er wegen einer drohenden Haftstrafe wegen NS-Wiederbetätigung geflüchtet war. In Spanien publizierte Honsik unter anderem schwülstige Gedichte, die auch der NS-apologetische „Freundeskreis Ulrich von Hutten“ in seinen „Huttenbriefen“ veröffentlichte. 2007 war Honsik nach jahrelangem ungehindertem Aufenthalt im südspanischen Malaga verhaftet und nach Österreich überstellt worden.

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