M-V: Jeder vierte Tag ein rechter Angriff

Von Horst Freires
30.03.2021 -

Eine bedrückende Bilanz für das Jahr 2020 legte die in Mecklenburg-Vorpommern tätige Beratung für Opfer rechter Gewalt, LOBBI, vor. Die mit Regionalbüros in Rostock und Neubrandenburg erreichbare Einrichtung verzeichnete eine Zunahme von rechter Gewalt.

Trotz Pandemie blieben die Zahl hoch, Grafik: LOBBI

Nach 89 Angriffen im Jahr 2019 wurden im Pandemiejahr sogar noch vier weitere Attacken registriert. Damit fand statistisch an jedem vierten Tag eine rechte Gewalttat statt. Die Dunkelziffer dürfte allerdings wesentlich höher liegen, vermutet das Berater*innenteam. Eine besorgniserregende Entwicklung ist, dass trotz geringerer Mobilität durch Corona in der Jahresbilanz die Zahl gefährlicher Körperverletzungen von 23 auf 31 angestiegen ist. Insgesamt wurden 59 Körperverletzungsdelikte registriert und damit zehn weniger als im vorhergehenden Berichtsjahr.

Von den Körperverletzungen waren laut LOBBI 152 Personen direkt betroffen. Neben Gewalttaten kam es auch zu rassistischen Beleidigungen, Diskriminierungen, Einschüchterungen und Sachbeschädigungen. Die Betroffenen hätten sich LOBBI anvertraut, weil sie nach eigenen Angaben durch bekannt gewordene Affären von Sicherheitsorganen zunehmend Vertrauen in Polizei und Justiz verloren haben.

Schwerpunkt der Übergriffe in Rostock

Als regionaler Schwerpunkt von Gewaltattacken behält die Hansestadt Rostock mit 27 Angriffen einen Peak. Angestiegen ist die Fallzahl im Landkreis Vorpommern-Rügen. Insgesamt wurden 166 Fälle in der Beratung betreut, 52 davon betrafen das laufende Jahr 2020, 39 Vorgänge rührten noch aus den vorhergehenden Jahren. „Zusätzlich zu den körperlichen Angriffen sehen sich viele Betroffene alltäglichen Feindseligkeiten und Erniedrigungen ausgesetzt“, berichtet Robert Schiedewitz aus der Beratungstätigkeit.

Als neues Phänomen hinzugekommen sind Gewaltakte und Straftaten im Zuge von Anti-Corona-Demonstrationen, bei denen auch Rechtsextremisten anzutreffen sind. LOBBI e.V. hilft seit 2001 im Nordosten Betroffenen rechter und rassistischer Gewalt bei der Bewältigung der Tatfolgen und erledigt dazu ein dokumentarisches Monitoring.  

Erschienen in: Aktuelle Meldungen