Lifestyle und rechte Botschaften

Von Horst Freires
11.08.2017 -

Ein Onlinemagazin aus dem Rheinland versucht sich abseits bereits bestehender Medien rechtspopulistischer beziehungsweise neurechter Ausrichtung zu etablieren.

Zielgruppe „jung und intellektuell“ mit Affinität „rechts offen“; (Screenshot)

Für das online erscheinende  „Arcadi“ gibt es dabei keine Berührungsängste gegenüber extrem rechten Gefilden. Selbst bezeichnet man sich als „das neue Magazin der Jungeuropäer“. Die Zielgruppe „jung und intellektuell“ mit Affinität „rechts offen“ wird inhaltlich vornehmlich mit einem Mix aus Lifestyle, Abenteuer und Kultur gefüttert. Verantwortlich dafür ist Yannick Noé und der Verein Publicatio in Leverkusen. Dort agiert Noé auch als Sprecher und Kreisvorsitzender der AfD. Zudem engagiert er sich maßgeblich in der Düsseldorfer Hochschulgruppe der AfD. Noé war auch Autor in der seit 2004 existierenden neurechten Publikation „Blaue Narzisse“ (BN).  Nun verbreitet er quasi ein Konkurrenzprodukt.

Um eine möglichst große Reichweite zu erzielen, werden auch Social Media-Kanäle und -Plattformen wie Twitter, Instagram und YouTube genutzt. Inhaltlich geht es um Reisetipps, Musikbesprechungen, Kinohinweise, Buchrezensionen, Mode, Beziehungsthemen, Star Wars und neuerdings die Rubrik Comics. Das Pendel schlägt dann aber immer wieder auch nach weit rechtsaußen aus.

Besprechung von Rechtsrock aus Italien

Das wird deutlich, wenn beispielsweise darüber berichtet wird, wie das bereits bei AfD-Veranstaltungen als aggressiver Saalschutz aufgetretene „Bündnis Deutscher Patrioten“ (BDP) als vermeintlicher sozialer Wohltäter Kinderhospizen und Obdachlosen hilft. Deutlich in die braune Richtung geht es, wenn Rechtsrock von „Zeta Zero Alfa“ aus Italien besprochen oder die Modemarke „Pivert“ angepriesen wird – beide kommen aus dem unmittelbaren Umfeld der rechtsextremen Kulturbewegung „Casapound“. Ein Schwerpunkt sind auch Buchhinweise auf Veröffentlichungen aus neurechten Verlagen, so Antaios,  Ares, Jungeuropa und Arktos (Schweden). Nicht fehlen darf bei „Arcadi“ ebenso ein Text über eine Sonderveröffentlichung des rechtspopulistischen „Compact“-Magazins.

Ein wohlwollender PR-Artikel widmet sich dem Berliner Modeversand „cuneus culture“  von Jannik Brämer (Ex-Vorstandsmitglied der AfD-Jugend in Berlin) und Karsten Vielhaber. Beide haben sich immer wieder im Umfeld von Aktionen der „Identitären Bewegung“ (IB) gezeigt oder sich direkt an diesen beteiligt. Dass es bei „Arcadi“ dann auch eine Berichterstattung über die zentrale IB-Demonstration vom 17. Juni in Berlin gibt, überrascht nicht wirklich, verwischen doch häufig die Grenzlinien zwischen Nähe zur AfD und der „Jungen Alternative“ (JA) einerseits und „Identitären“ auf der anderen Seite. Auch ein Blick auf die „Arcadi“-Autoren zeigt dies auf.

Zu den „Arcadi“-Vielschreibern gehört neben dem Chefredakteur Noé zum Beispiel AfD-Mitglied Robin Classen, der ebenso Autor bei der „Blauen Narzisse“ und „eigentümlich frei“ ist. Sowohl bei „Arcadi“ als auch bei der „Blauen Narzisse“ publizistisch zugange sind Christoph Facius von der JA Köln sowie Moritz Schellenberg von der JA Berlin. Der Magdeburger JA-Funktionär Luca Hart tummelte  sich früher bei den Jungen Nationaldemokraten und ist inzwischen bei IB-Aktionen anzutreffen. Lyrik gibt es vom niedersächsischen JA-Landeschef Lars Steinke aus Göttingen, der wegen seiner IB-Nähe auch innerhalb der AfD-Nachwuchsorganisation höchst umstritten ist und spaltet. Delphine Thiermann, stellvertretende JA-Vorsitzende in Hamburg, der trotz eigener Dementi ebenfalls IB-Sympathien nachgesagt werden,  bewertet  bei „Arcadi“ die G 20-Krawalle in der Hansestadt im Juli. 

Sommerfest mit „Pils Identitär“

„Arcadi“ beteiligte sich im Oktober des Vorjahres beim Europäischem Forum in Linz, einem internationalen Meeting der Neuen Rechten. Noé selbst kündigte bereits im vergangenen November eine Zusammenarbeit mit dem pro-russischen „Zentrum für Kontinentale Zusammenarbeit“ von Jurij Kofner („Deutschland ist ein besetztes Land“) an, der Verbindungen zu neurechten Kreisen hat. Mitte Juli wurde bekannt, dass der Verein Publicatio zu einem Sommerfest ins Leverkusener Schloss Morsbroich eingeladen hatte. Die angekündigte illustre Beteiligung bescherte dem Verein dann aber wohl eine kurzfristige Aufkündigung des dortigen Mietverhältnisses. Laut „Arcadi“-Facebook-Eintrag wurde dennoch gefeiert – womöglich ist man in ein Verbindungshaus einer befreundeten rechtsorientierten Burschenschaft ausgewichen.

Für die Party beworben wurden Martin Sellner, Schlüsselfigur der „Identitären Bewegung „aus Österreich, und der von ihm betriebene Online-Versand Phalanx Europa. Auch Mario Müller, Leitfigur von „Kontrakultur Halle“, ein maßgebliches IB-Seitenprojekt, sollte in Leverkusen aufschlagen. Müller bewegte sich vor paar Jahren noch im Dunstkreis von „Autonomen Nationalisten“ und Jungen Nationaldemokraten. Ebenso fürs Sommerfest beworben wurde die Vorstellung der IB-eigenen App „Patriot Peer“ und der IB-Biermarke „Pils Identitär“. Neben dem Grafiker und Illustrationskünstler „Wolf PMS“, der unter anderem Kontakte zum neurechten Kopf Götz Kubitschek in Schnellroda unterhält, stand auch der Rapper Chris Ares (bürgerlich Christoph Zloch) aus Oberbayern auf der Gästeliste.

Mehrmals hatte „Arcadi“ schon positiv über die Musik eines der Zugpferde des „Bündnis’ Deutscher Patrioten“ (BDP) berichtet, das sich ebenso bei der „Identitären Bewegung“ wie bei Berliner „Merkel muss weg“-Demonstrationen aufhält. Der bayerische Verfassungsschutz sieht im BDP eine besondere Nähe zur IB. Für das „Arcadi“-Sommerfest war im Vorwege aufgeführt: Das Label „cuneus culture“.       

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