„Letzte Festung Türkei“ als Propagandaakt

Von Horst Freires
15.02.2017 -

Ein ultranationalistisches Theaterstück mit dem Titel „Son Kale Türkiye“ aus der Türkei, das seit einigen Wochen auf westeuropäischen Bühnen (Deutschland, Niederlande, Belgien, Frankreich) bespielt wird, sorgt für Wirbel, weil sich dabei regional auch rechtsextreme türkische Veranstalter als Organisatoren betätigen.

Die „Grauen Wölfe“ als Veranstalter dabei; (Screenshot)

Von mehreren bereits absolvierten und noch geplanten Auftritten von „Son Kale Türkye“ (Letzte Festung Türkei) ist bisher gerade einmal einer geplatzt. So hat die hessische Stadt Erlensee (Main-Kinzig-Kreis) der Theatergruppe den Mietvertrag mit der Spielstätte Erlenhalle für den 17. Februar gekündigt. In dem Theaterstück geht es um die Darstellung des gescheiterten Putschversuches vom 15. Juli 2016 in der Türkei. Dabei werden angebliche Verschwörungskräfte als Drahtzieher des Umsturzes dargestellt. Es kommt dabei auch zu antisemitischen Äußerungen. Internet-Werbeausschnitte zeigen unter anderem eine Szene, aus der die Schlussfolgerung zu ziehen ist, dass Israel den Islamischen Staat (IS) gegründet habe, um die Türkei zu schwächen.

Auch rund um die Aufführung in Augsburg (Bayern) am 21. Januar hatte es bereits massive Vorwürfe gegeben, der Bühnenauftritt sei eine propagandistische Darbietung im Sinne Recep Tayyip Erdogans. Der Veranstalter in der Fugger-Stadt kam dabei aus der Ecke der rechtsextremen „Grauen Wölfe“, wie der Verfassungsschutz bestätigte. Eine Woche später war die Gruppierung „Dergah Alperen Ocaklari“ örtlicher Veranstalter im schleswig-holsteinischen Neumünster. Diese wird dem „Verband der türkischen Kulturvereine in Europa“ zugerechnet – laut Verfassungsschutz aus Kiel die Europa-Organisation der rechtsextremen türkischen „Partei der großen Einheit“ (Büyük Birgli Partisi).

Diese Informationen haben die Stadt Erlensee nun zur Spielstätten-Kündigung bewogen. Als Reaktion darauf sprechen nationalistische türkische Kreise von „Zensur“ und einem „Skandal“. Die aktuelle Diskussion um Ditib-Vereinigungen und Moscheen ist auch in diesem Beispiel um ein Kapitel reicher geworden, denn für das vergangene Wochenende wurde zu dem umstrittenen Theaterstück in eine Ditib-Moschee über diverse Event-Portale in Gelsenkirchen eingeladen – interessanterweise allerdings nicht auf der Facebook-Seite der Moscheegemeinde. In diesem Monat stehen laut Spielplan des Istanbuler Ensembles noch weitere Gastspiele an. So werden Auftritte am 19.2. in Mannheim, am 24.2. in Köln, am 25.2. in Dortmund und am 26.2. in Hamburg beworben.

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