Lebenslänglich für braunen Polizistenmörder

Von Anton Maegerle
25.06.2019 -

Ein Gericht in der westungarischen Stadt Szombathely hat den Neonazi Istvan Györkös in erster Instanz zu einer lebenslänglichen Haft verurteilt.

Bei Razzia große Mengen an Waffen sichergestellt; Photo (Symbol): Günther Gumhold / pixelio

Der 79-jährige Anführer der inzwischen verbotenen militanten rechtsextremen „Ungarischen Nationalen Front“ (MNA; Magyar Nemzeti Arcvonal) hatte am 26. Oktober 2016 bei der Durchsuchung seines Anwesens in der Gemeinde Böny mit einer Maschinenpistole den 46-jährigen Polizisten Peter Pálvölgyi angeschossen, der wenige Stunden später seinen Verletzungen erlag. (bnr.de berichtete) Györkös konnte nach dem Schusswechsel erst von der angerückten Anti-TerrorEinheit (TEK) überwältigt werden. Gegen den Neonazi war zuvor Anzeige wegen illegalen Waffenbesitzes und paramilitärischer Ausbildung von Neonazis erstattet worden. Bei der Razzia wurden große Mengen an Waffen, Munition und Sprengstoff sichergestellt, darunter auch moderne russische Waffen. Der einschlägig vorbestrafte und knasterfahrene Györkös hatte auf seinem Besitz nahe Györ ungestört Wehrsportübungen durchgeführt, an denen auch Neonazis aus anderen Ländern teilnahmen.

Im Dezember 2016 war die 1992 von Györkös gegründete MNA verboten worden. Ursprünglich gegründet wurde die Neonazi-Truppe 1989 von Györkös unter dem Namen „Ungarische NS-Aktionsgruppen“. Die MNA, die älteste Neonazi-Gang in Ungarn, definierte sich als Eliteformation auf „nationalsozialistischer Grundlage“ und pflegt engste Kontakte zum internationalen Neonazi-Netzwerk „Blood&Honour“.

Wehrsportübungen mit deutschen Neonazis

Die MNA sah sich als Nachfolgerin der „Hungaristen“-Bewegung (Parteisymbol Pfeilkreuzler) von Diktator Ferenc Szalasi, der durch Adolf Hitlers Gunst von 1944 bis 1945 in Ungarn herrschte. Während ihrer nur siebenmonatigen Herrschaft ermordeten die Pfeilkreuzler durch Deportationen in die deutschen Vernichtungslager, Todesmärsche und Erschießungen am Donauufer in Budapest bis zu 50.000 Juden und Roma. Szalasi wurde 1946 in Budapest hingerichtet.

Auf seinem Landgut veranstaltete Györkös regelmäßig Wehrsportübungen, andenen unter anderem deutsche Neonazis und Mitarbeiter des russischen Militärnachrichtendienstes GRU teilnahmen. Neben Exerzier-, Gelände- undSchießübungen wurde auf dem Anwesen auch die Erstürmung von Häuserngeprobt. „Juden, Zigeunern und Schwulen“ war der Zutritt verboten, so ein Schild auf dem Gelände.

NSU-Unterstützer in Budapest

Kontakte zur MNA pflegten auch Neonazi-Kreise um die späteren Rechtsterroristen des NSU. So reisten im Februar 1998, wenige Tage nach dem Untertauchen von Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe in dieIllegalität, deutsche Neonazis nach Budapest, um den Waffen-SS glorifizierenden „Tag der Ehre“ zu begehen. Zu den Ausrichtern des internationalen Neonazi-Aufmarschs zählte auch die „Ungarische Nationale Front“. In Budapest angekommen, tranken die deutschen Neonazis mit den ungarischen Kameraden im „Viking Club“.

Einen der aus Ostdeutschland angereisten Busse hatte der „Blood&Honour“-Kader Marcel D., zugleich V-Mann des Bundesamtes für Verfassungsschutz, gechartert. Im Bus saßen unter anderem der NSU-Quartiersgeber in Chemnitz, Max-Florian B., sowie Jörg W., der 1996 in die Beschaffung von TNT für Uwe Mundlos involviert war und Andreas S., der später beschuldigt wurde, einer der Zwischenverkäufer der NSU-Mordwaffe Ceska gewesen zu sein.