„Kulturkampf von rechts“ der Neuen Rechten

Von Armin Pfahl-Traughber
23.08.2021 -

Im Verlag Antaios erschienen neue „kaplaken“-Bände, die Identitätselemente für die Neue Rechte liefern sollen. Indessen finden sich auch hier nur bei einem Band einige Reflexionen hin zu einem etwas systematischeren Weltbild. Insofern kommt auch das Institut für Staatspolitik hier intellektuell nicht sonderlich voran.

Götz Kubitzschek als Redakteur und gleichzeitig Autor der Sezession, Foto: Thomas Witzgall

Dem Komplex um das „Institut für Staatspolitik“ lässt sich nicht nur das Publikationsorgan „Sezession“, sondern auch der „Verlag Antaios“ zurechnen. In ihm erscheinen kontinuierlich Bücher von Repräsentanten der Neuen Rechten oder ideologisch verwandten Richtungen. Dazu gehören auch Nachdrucke literarischer Werke, sofern sie in den Diskursrahmen des Instituts passen. Eine Besonderheit stellt die Schriftenreihe „kaplaken“ dar, wo mittlerweile über siebzig Bände erschienen sind. Es handelt sich jeweils um gebundene Bücher mit einem Umfang von knapp unter 100 Seiten.

Damit hat das Institut ein Publikationsforum gefunden, worin in knapper Form einige Grundpositionen zum politischen Selbstverständnis vorgetragen werden können. In den letzten Jahren veröffentlichte man meist gleich drei Bände zusammen und bot sie als „Staffel“ für 20 Euro an. Die letzten Bände, die als „25. Staffel“ mit den Nummern 73, 74 und 75 herauskamen, sollen hier eingeordnet und kommentiert werden.

Angebliche Allianz von Kulturlinken und neoliberalen Kapitalisten

Als „kaplaken“-Band 73 erschien „Die Allianz. Skizze eines Machtprojekts“ von Leon Wilhelm Plöcks, der als freier Dozent und Geisteswissenschaftler vorgestellt wird. Er geht in der Abhandlung davon aus, dass die „Errichtung einer neuen Form der Zwangsherrschaft“ bevorstehe. Diese Entwicklung sei ein konkretes „Machtprojekt“, das von einer „Allianz zweier nur auf den ersten Blick ungleicher Partner“ ausgehe. Hierbei handele es sich um „die kulturelle Linke und den neoliberalen Kapitalismus“. Beide beabsichtigten „die Entfremdung des Menschen von allem, das kollektive Identität stiftet.
 
Der Autor geht dann aber nur noch auf die Denker der Erstgenannten ein, also etwa Butler, Foucault oder Hardt/Negri. Mitunter werden dabei auch berechtigte Einwände genannt, die aber bereits andere Linke von Michaels über Rorty bis Wagenknecht vorgetragen haben. Deren Einwände will Plöcks nach „rechts“ umdeuten. Dabei vergisst er aber, Belege für seine zentrale These zu präsentieren. Darüber hinaus beschränken sich seine Einwände auf die Kulturlinke.

„Postliberalismus“ als neues Schlagwort

Als „kaplaken“-Band 74 erschien „Postliberal. Ein Entwurf“ von Erik Ahrens und Bruno Wolters. Beide sind Jahrgang 1990 und gründeten das „konflikt-Magazin“ (Online). Ihr Buch ist aber keine programmatische Schrift, wie der Titel irrtümlich suggerieren mag. Darin finden sich drei Aufsätze als Fragmente für ein Konzept. Zunächst wollen die Autoren zu einem stärkeren Blick auf die reale Gegenwart und weg von der theoretischen Vergangenheit werben. Insofern sprechen sie von einer Ära des „Postliberalismus“, wobei die gewählte Bezeichnung aber nur meinen kann, dass der Liberalismus ende oder schon geendet sei.

Womit man es dann zu tun hat, wird nicht positiv geklärt. Sehr allgemein heißt es nur, Begriffe wie „Eigentum, Recht, Nation“ gelte es zu übernehmen. Der zweite Beitrag widmet sich Horkheimer und Adornos „Dialektik der Aufklärung“, soll doch die darin enthaltene „richtige Kritik der europäischen Moderne“ nach rechts umgedeutet werden. Und schließlich versucht man sich an einer Kapitalismustheorie für Rechte.

Briefwechsel mit andersdenkenden Intellektuellen

Und als „kaplaken“-Band 75 erschien „Nassehi, ich und Leggewie. Zwei Briefwechsel“ von Götz Kubitschek, der den „Verlag Antaios“ leitet und für die Zeitschrift „Sezession“ verantwortlich zeichnet. Der Band enthält frühere Briefwechsel mit dem Soziologen Armin Nassehi – in wertschätzendem Tonfall – von 2014 und dem Politologen Claus Leggewie – in mehr konfrontativem Tonfall – von 2016. Beide Brief- bzw. Mailpartner fanden offenkundig den Kontakt zu einem Repräsentanten der Neuen Rechten interessant.

Im ersten Fall wurden auch partielle Gemeinsamkeiten bei der Problemwahrnehmung deutlich. Indessen zeichneten sich die Differenzen ebenso klar ab. Kubitschek meinte etwa, auch angesichts eines „gut erzogene(n) Migrantenkind“ wäre der „deutsche Rotzlöffel“ dann doch „Teil unseres Volkes“. Beim Dialog mit Leggewie ging es mehr darum, welche Folgewirkungen der von der Neuen Rechten entfaltete „Widerstand“-Diskurs hat. Kubitschek warf Leggewie „eine Pose des Vorwerfens“ vor. Für beide Dialoge kann man nach dem Sinn fragen.

Argumentationsmuster von links nach rechts wenden

Denn Kubitschek hatte in seinem „Provokation“-Band von 2007 davon gesprochen, dass er „nicht viel von langwierigen Begründungen … unseres Handlungsantriebs“ halte, denn von der „Ernsthaftigkeit unseres Tuns wird Euch kein Wort überzeugen, sondern bloß ein Schlag ins Gesicht.“ Derartige Bekundungen sprechen  ja nun nicht für eine Diskussionsbereitschaft. Der von Ahrens und Wolters vorlegte „Postliberal“-Band skizziert erstmals nach mehreren „Kaplaken“-Nummern eine etwas grundsätzlichere Perspektive, wobei vieles noch wie Ansätze und Fragmente wirkt.

Beachtenswert ist die Bereitschaft, Argumentationsmuster von links nach rechts zu wenden. Dies gilt etwa für die Kapitalismuskritik, wobei sich darum auch schon andere „Kaplaken“-Autoren bemühten. Dazu gehört hier auch Plöcks, der ein Bündnis von Kapitalisten und Kulturlinker postuliert. Es fehlt dafür aber an den nötigen Belegen. Der Autor warnt pompös vor bedrohlichen Veränderungen, doch kann er die Existenz seines „Machtprojekts“ nicht belegen.

Erschienen in: Aktuelle Meldungen