Kriegserlebnisberichte für die braune Szene

Von Horst Freires
10.10.2019 -

Zeitzeugenvorträge im Kontext mit Teilnehmern am Zweiten Weltkrieg sind weiterhin fester Bestandteil im rechtsextremistischen Veranstaltungsreigen. Sie werden in der Regel konspirativ beworben oder finden in Räumlichkeiten statt, auf die die rechte Szene Zugriff hat.

Zeitzeugenvortrag erst vor wenigen Tagen bei der Neonazi-Partei; (Screenshot)

Vor wenigen Tagen erst hat es eine entsprechende Veranstaltung bei der Splitterpartei „Der III. Weg“ gegeben, weitere werden aktuell beworben. Auf ihrer Homepage berichtet die braune Kleinstpartei, sie habe im Raum Berlin einen namentlich nicht genannten 91-jährigen Wehrmachtsangehörigen von seinen Kriegserlebnissen erzählen lassen. Ein Bericht dazu ist mit mehreren Fotos versehen. Entsprechende Veranstaltungen hat es gerade in Berlin bereits mehrere Male gegeben.

Für den Samstag, den 12. Oktober wird ein solcher Zeitzeugenvortrag im Domizil des Vereins „Gedächtnisstätte e.V.“ im thüringischen Guthmannshausen (Landkreis Sömmerda) unter dem Titel „Drama Kriegsende“ beworben. (bnr.de berichtete)

NS-Glorifizierung und -Nostalgie

Am 27. Oktober soll es im Großraum Leipzig ebenfalls einen Vortrag eines über 90-jährigen Kriegsteilnehmers geben. Auch dessen Name wird nicht preisgegeben. Zu dem Vortragenden wird lediglich mitgeteilt, er sei in der Hitlerjugend gewesen und Angehöriger der Waffen-SS, genauer gesagt bei der in der Normandie sowie in Belgien und den Niederlanden kämpfenden „10. SS-Panzerdivision Frundsberg“ sowie bei der in Osteuropa eingesetzten „18. SS-Freiwilligen Panzergrenadierdivision Horst Wessel“.  Diese biografischen Angaben decken sich mit einem in Wolfsburg lebenden Mann, der zuletzt auch am 7. September Zeitzeugen-Gast bei der Neonazi-Partei „Die Rechte“ in Nordrhein-Westfalen war, die ihre kontinuierliche Veranstaltungsreihe mit Zeitzeugen „Soldaten berichten“ betitelt hat.

NS-Glorifizierung und -Nostalgie ist sicherlich auch zentrales Thema am 1. November in der Region Westpfalz, wenn zu einem „Heldengedenken“ mit dem rechtsextremen Liedermacher Frank Rennicke eingeladen wird. Denn neben seinen braunen Balladen „in mahnender Erinnerung an die Opfer unseres Volkes und den tapferen Kampf unserer Soldaten“ steht auf dem abendlichen Ablaufplan auch ein Zeitzeugenvortrag über die HIAG, der „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Angehörigen der ehemaligen Waffen-SS e.V.“.