Konspiratives „Oi for Saxony“

Von Sebastian Lipp
13.07.2018 -

Am 11. August soll ein so genanntes „Oi!“-Sommerkonzert in Sachsen stattfinden, dem Innenministerium ist der genaue Veranstaltungsort noch immer unbekannt.

„Oi!“-Sommerkonzert an bisher unbekanntem Ort in Sachsen; (Screenshot)

Seit Monaten wird im Internet ein so genanntes „Oi!“-Sommerkonzert im Freistaat angekündigt, ebenso lange tappen die Behörden im Dunkeln. Das sächsische Innenministerium bestätigte vor wenigen Tagen, dass der genaue Ort des Events noch immer unbekannt ist. Außer den „in den sozialen Netzwerken verfügbaren Informationen, liegen uns derzeit keine Informationen vor“, schreibt der stellvertretende Behördensprecher auf Anfrage.

Demnach soll ein so genanntes „Oi!“-Konzert unter dem Motto „Oi for Saxony“ am 11. August 2018 irgendwo in Sachsen stattfinden. (bnr.de berichtete) Als Headliner des Abends sollten die „Prolligans“ neben „Bombecks“, „Angry Bootboys“, „Combat BC“, „Skinfront“, „Crophead“ und „Kotten“ auf der Bühne stehen. Der Auftritt der „Angry Bootboys“ wurde zwischenzeitlich wieder abgesagt, allerdings heißt es aus Veranstalterkreisen, es werde als Überraschung den Auftritt einer ungenannten Band geben.

Veranstaltungsort Chemnitz?

Das Konzert werde auf Facebook beworben, so das Innenministerium. Eine offenbar zum Kreis der Organisatoren zählende und aus Borna stammende Person schreibe auf der Facebook-Seite, dass man sich mit dem Kartenkauf nicht lange Zeit lassen soll, da „der schöne grüne Festplatz nicht für 500 Gäste ausgelegt ist“. In einem weiteren Beitrag schreibe die besagte Person, dass ein neuer Veranstaltungsort gesucht werden musste, da der „Steinbruch abgebrannt und verwüstet wurde“. Auf einer Internetseite werde als Veranstaltungsort Chemnitz ausgewiesen. Ob es die suggerierte Brandstiftung allerdings tatsächlich gegeben hat, ist fraglich. Bei den Behörden gibt es auch dazu keine Erkenntnisse, wie es auf Anfrage heißt.

„Ob es sich bei dieser Veranstaltung um ein rechtsextremistisches Konzert handelt, kann gegenwärtig noch nicht abschließend beurteilt werden“, schreibt das Innenministerium, obwohl die von der Behörde genannte Organisatorin aus Borna dem Neonazi-Spektrum zuzuordnen ist. Der geplante Auftritt von Bands wie „Prolligans“ oder „Angry Bootboys“ lasse lediglich „den Verdacht zu, dass hier eine Mischform zwischen unpolitischem ‚Oi‘ Konzert und rechtsextremistischer Musikveranstaltung dargeboten werden soll“.

Einschlägige Rechtsrock-Bands mit „Oi!“-Image

Einige der angekündigten Bands sind als einschlägige Rechtsrock-Bands bekannt, geben sich aber ein unproblematisches „Oi!“-Image und behaupten, „unpolitisch“ zu sein. Die „Angry Bootboys“ gehören zum Umfeld des rechtsextremen Plattenlabels „Oldschool Records“. Dessen Betreiber, Plattenproduzent Benjamin Einsiedler, gilt als Führungsfigur der Neonazi-Kameradschaft „Voice of Anger“. Mit seiner Label-Ausgründung „Subcultural Records“ versucht dieser offenbar gezielt, eine sich als unpolitisch verstehende Skinhead-Szene mit Neonazi-Bands zusammen zu bringen. Die erfolgreichste Band des Projekts dürften die „Prolligans“ sein. Sie werden vom Verfassungsschutz beobachtet und setzen sich teils aus Mitgliedern anderer Bands aus dem Umfeld von „Oldschool Records“ zusammen. (bnr.de berichtete)

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