Knast für Dortmunder Neonazis

Von Jennifer Marken
18.01.2019 -

Gleich mehrere Aktivisten aus der braunen Szene in der Ruhrgebietsmetropole sind zu Haftstrafen verurteilt worden.

Immer wieder martialische braune Aufzüge in der Ruhrgebietsmetropole; Photo: J.M

Der Druck auf die Dortmunder Neonazi-Szene nimmt zu. Anfang Dezember 2018 kam der langjährige Kader Siegfried Borchardt („SS-Siggi“) für drei Monate in Haft. (bnr.de berichtete) Einen Monat zuvor war bereits der 24-jährige Neonazi Steven F. aus Dortmund-Marten in der Dorstfelder Nazi-WG Emscherstraße festgenommen worden und musste seine einjährige Haftstrafe antreten. Dortmunds Polizeipräsident Lange bezeichnete ihn als einen „rechtsextremistischen Intensivträger“, der maßgeblich dazu beigetragen habe, dass in Dortmund-Marten ein Klima der Angst vor rechtsextremer Gewalt existiert.

Bekannt wurde jetzt auch, dass am Donnerstag ein weiterer Dortmunder Neonazi mit einem umfangreichen Vorstrafenregister vom Landgericht Dortmund im Berufungsverfahren eine einjährige Haftstrafe ohne Bewährung erhielt. Der Neonazi, der ein umfangreiches Vorstrafenregister aufweist, war bereits Mitte 2018 zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Er wurde beschuldigt, im Juli 2017 im westlich von Dortmund gelegenen Stadtteil Lütgendortmund einen jungen Mann, der mit einem Freund unterwegs war, attackiert und geschlagen zu haben. Der Gewalttäter verdächtigte ihn einer „linken Gesinnung“. Der Begleiter des Attackierten – so schreiben die Neonazis selbst auf ihrer Website – wurde gleichfalls bedroht, damit er keine Hilfe herbeirufen konnte.

Klima der Angst im Dortmunder Westen

In den im Westen Dortmunds gelegenen Stadtteilen Lütgendortmund und Marten ist es in den vergangenen Jahren immer wieder zu massiven rechtsextremen und antisemitischen Übergriffen gekommen. Verantwortlich für das Klima der Angst ist nicht zuletzt die mit der „Rechten“ (DR) verbündete „Aktionsgruppe Dortmund West“. Im Juli 2014 attackierte eine 14-köpfige Neonazi-Gruppe um Michael Brück ein Fußballspiel zwischen einem Lütgendortmunder Verein und dem israelischen Zweitligisten Maccabi Netanya, im Juni 2018 wurde ein 26-jähriger Dortmunder Jude – er trug eine Kippa – mehrfach Dortmunder Westen angegriffen und antisemitisch beleidigt. Am 21. September 2018 brüllten Neonazis bei einem Aufmarsch in Dortmund-Marten, optisch martialisch mit Bengalos in Szene gesetzt, ungestört die Parole: „Wer Deutschland liebt ist Antisemit“. (bnr.de berichtete)

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