Kampfsport und braune Metal-Musik in Kiew

Von Horst Freires
12.12.2019 -

In der ukrainischen Hauptstadt findet am Wochenende wieder das NSBM-Festival „Asgardsrei“ statt. Unmittelbar vorgeschaltet ist bereits am morgigen Freitag ein Kampfsport-Event.

Martialisches Musik- und Kampfsport-Meeting in Kiew; (Screenshot)

Zwar sind in diesem Jahr beim NSBM-Festival in Kiew keine deutschen Bands angekündigt, geworben wird aber mit der Teilnahme von deutschen Kämpfern. Benannt ist das Happening der extrem rechten Szene nach dem gleichnamigen Titel auf der 1999 von der international heroisierten NSBM-Band „Absurd“ aus Thüringen bei dem fiktiven Label „IG Farben Produktion“ veröffentlichten EP.

Professioneller Termin im braunen Kalendarium

Das „Asgardsrei“-Meeting am Wochenende vor der Wintersonnenwende findet zum nunmehr achten Mal statt und hat sich neben Großevents wie etwa dem „Hot Shower“-Festival in Norditalien als professioneller Termin im braunen Kalendarium entwickelt und etabliert. Auch ohne deutschen Musikbeitrag dürften eingefleischte deutsche Anhänger der NSBM-Musikrichtung in der ukrainischen Hauptstadt anzutreffen sein. Mancher NSBM-Musiker aus Deutschland mag aber auch vor Ort sein, allein wegen der dort möglichen direkten Kontakt- und Vernetzungsgelegenheit.

Seit langem ist klar, dass die Veranstalter aus dem Personenkreis der rechtsextremen „Azov“-Bewegung kommen. Diese ist in der Ukraine als nationaler Freiwilligen-Kampfverband und eigenständiges Regiment im Konflikt mit Separatisten und Russland, aber auch mit seinem politischen Arm „National Corps“ aktiv. Getragen werden die Aktivitäten von diversen Exil-Russen, allen voran von Alexey Levkin, Kopf der Band „M8L8TH“, die auch in diesem Jahr wieder zum musikalischen Line Up des Festivals gehören.

„Fight Night“ in der Old Opera Hall

„Azov“ verfügt über eigene Räumlichkeiten in Kiew, das so genannte Kosaken-Haus. Dort wird auch der aktive Verkauf von Szene-Utensilien abgewickelt. Für westeuropäische Neonazi-Vertreter wie der Kleinstpartei „Der III. Weg“ ist die „Azov“-Anlaufstelle ein beliebtes Besuchsziel geworden. Dieses Jahr sind für ein Festivalticket mindestens 60 Euro zu bezahlen, das unterstreicht auch die mittlerweile kommerzielle Seite des Termins. Das Event am 14. und 15. Dezember im Bingo Club mit seinen 1500 Plätzen genau wie die „Fight Night“ am Freitag in der Old Opera Hall finden nicht in rechten Szene-Locations statt, sondern sind angesehene Veranstaltungszentren. Laut Festival-Homepage verläuft der Vorverkauf diesmal im Vergleich zum Vorjahr allerdings schleppender.

Das Kampfsport-Treffen am 12. Dezember trägt den Titel „Winter Raid“. Beworben werden Kämpfe mit Teilnehmern aus der Ukraine, aus Ungarn, Tschechien, Frankreich und Deutschland. Zuletzt hatte Denis Kapustin, gewaltbereiter Hooligan und Strippenzieher in der extrem rechten Kampfsport-Szene sowie Gründer der Kampfsportmarke „White Rex“, bei der „Azov“-Bewegung Gleichgesinnte gefunden. Aber bereits vor dem im Spätsommer gegen ihn erwirkten Einreiseverbot für ganz West-Europa hatte er sich in der Öffentlichkeit insgesamt rar gemacht, einhergehend mit einer zurückgegangenen Publicity und PR des Labels „White Rex“.

Tribute-Band zum Gedenken an russischen NSBM-Musiker

Musikalisch sind auf zwei Tage verteilt neben „M8L8TH“ noch 14 weitere Acts gelistet. Dazu gehören die Combos „Kroda“, „Svarga“ (beide Ukraine) und „Black Death“ aus Russland. Aus Osteuropa kommen mit der neuen Band „Kataxu“ sowie „Selbstmord“ auch zwei polnische Vertreter. Ebenfalls doppelt tauchen „Goatmoon“ und „Sielunvihollinen“ (beide Finnland), „Wodulf“ und „Stutthof“ (beide Griechenland) sowie „Baise Ma Hache“ und „Seigneur Voland“ (beide Frankreich) auf. Letztere haben nach 15-jährigem Split erst dieses Jahr wieder zusammengefunden. Sänger David Mignoni, der die Band während eines Gefängnisaufenthalts gegründet hatte, trat als Seigneur Voland erstmals wieder beim diesjährigen rechtsoffenen „Steelfest“ am 17. und 18. Mai in Finnland auf.

Ferner sollen in Kiew „Frangar“ (Italien) und „Evil“ (Brasilien) dabei sein. Letztere traten genau wie „Kroda“ dieses Jahr ebenfalls beim „Steelfest“ auf. Außerdem ist eine so genannte international zusammengestellte BBH-Tribute-Band zum Gedenken an den im April bei einem Verkehrsunfall getöteten russischen NSBM-Musiker Kaldrad Branislav angekündigt. Branislav war Kopf der Band „Branikald“ (1993–2001) und aktiv im Black Metal-Zirkel namens „Blazebirth Hall“ – daher die Abkürzung BBH. Bereits im Vorjahr beim „Asgardsrei“ auf der Bühne: „Frangar“, „Goatmoon“, „Baise Ma Hache“ und „M8L8TH“. „Goatmoon“ sollte zuletzt konspirativ am 8. November in Ostdeutschland aufspielen.