Jubiläumsfeier der Jungen Nationalisten

Von Horst Freires
30.09.2019 -

Die NPD-Nachwuchsorganisation Junge Nationalisten kündigt für den 9. November ihren Bundeskongress an – führende NPD-Funktionäre stehen auf der Rednerliste, braune Liedermacher sollen für die Begleitmusik sorgen.

Für die NPD doch noch ein Feiergrund; (Screenshot)

In den letzten Jahren hatte die NPD nur noch wenig Grund zum Feiern. Zwei Handvoll gewonnener Gerichtsprozesse zu Saalverwehrungen oder gekündigten Bankkonten beziehungsweise zunächst juristisch angegriffenen verächtlichen Plakatsprüchen, dazu kommunalpolitische Mandate oder ein just in der hessischen Kleinstadt Altenstadt gewählter Ortsvorsteher in Person des stellvertretenden Landesvorsitzenden Stefan Jagsch (bnr.de berichtete), was für bundesweite Schlagzeilen sorgte – die verfassungsfeindliche Partei hat mehr und mehr an Kredit und politischen Minimalerfolgen in der rechten Szene eingebüßt. Gerne kommt man deshalb zusammen, um sich an bessere Zeiten in den eigenen braunen Reihen zu erinnern.

Schaulaufen führender Funktionäre

Solch eine Gelegenheit bietet sich am 9. November – ja, provokativ möchte man bleiben – bei einem Bundeskongress des eigenen Parteinachwuchses zum 50-jährigen Bestehen. Die Jungen Nationalisten (früher Junge Nationaldemokraten; JN) wollen sich dafür laut Ankündigung irgendwo in Mitteldeutschland treffen. Und es wird der Rednerliste zufolge ein kleines Schaulaufen führender Funktionäre. Wie zu hören ist, hat die JN auch befreundete Vertreter aus anderen europäischen Ländern zu dem Termin eingeladen, mit denen man in der Vergangenheit immer wieder sporadisch den Kontakt gesucht hatte.

Zumindest ein wenig Größe gönnt man sich trotz leerer Parteikassen dann doch. Zuletzt hat die NPD bei den Wahlgängen zwar nirgends mehr die bedeutsame 1,0-Prozent-Marke erreicht, die noch eine Wahlkampfkostenerstattung vorsieht. Und überhaupt: Am 27. Oktober rechnet wohl niemand ernsthaft damit, dass ausgerechnet bei den Landtagswahlen in Thüringen, dem Stammland von Björn Höcke, der NPD diesbezüglich anderes widerfahren wird. Aktuell können dann am 9. November womöglich neueste Wahlwunden geleckt werden.

Frühere und jetzige JN-Vorständler als Redner

Auf der nur mit Männernamen gespickten Teilnehmerliste nimmt Thomas Salomon den ersten Platz ein. Der frühere Berliner, mittlerweile in Brandenburg aktiv, hielt seinerzeit den JN-Mitgliedsausweis mit der Nummer eins in den Händen. Er war von 1975 bis 1982 JN-Bundesvorstandsmitglied. Mit wenigen Jahren Unterbrechung folgte dann ein Wechsel in die Funktionärsebene des NPD-Bundesvorstands, in dem er lange für den Bereich Bildung und Schulung verantwortlich zeichnete. Aus dem Jahr 1998 ist von einer NPD-Versammlung in Hamburg übermittelt, wo Salomon gesagt haben soll, dass eine politische Veränderung durch das rechte Lager nicht durch freie Wahlen sondern durch einen „zweiten 9. November“ vollzogen werde.

Als weiterer Redner wird der jetzige bayerische NPD-Landesvorsitzende Sascha Roßmüller aufgelistet, der selbst einmal von 1999 bis 2002 JN-Bundesvorsitzender war. Von den jetzigen JN-Spitzen werden der Bundesvorsitzende Christian Häger, sein Stellvertreter Paul Rzehaczek und der JN-Schulungsleiter Jan Häntzschel genannt. Der Marathonprozess vor dem Landgericht Koblenz u.a. gegen Häger als eines von vielen Mitgliedern des ehemaligen „Aktionsbüros Mittelrhein“ (ABM) wurde gerade erst eingestellt. (bnr.de berichtete)

„Überraschungsgast“ am 9. November

Der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz wird ebenfalls namentlich auf dem kursierenden JN-Flyer für den 9. November beworben. Mit von der Partie ist auch Bundes-Vize Thorsten Heise, zugleich Landeschef der Partei in Thüringen. Außerdem mit dabei: Der ehemalige NPD-Fraktionsvorsitzende aus Mecklenburg-Vorpommern Udo Pastörs.

Auch für diese Veranstaltung gilt wie nahezu überall in der rechtsextremen Szene: Kein größeres Event ohne musikalischen Begleitbeitrag. So sollen die braunen Liedermacher Frank Rennicke, „Fylgien“ (Sebastian Döhring) und Philipp Neumann von „Flak“ aufspielen. Auch Neumann gehörte ursprünglich zu den Angeklagten beim ABM-Verfahren in Koblenz. Ferner wird für den 9. November noch mit einem „Überraschungsgast“ geworben.