International vernetzte Neonazi-Strukturen

Von Rudolf Kleinschmidt
20.04.2017 -

„Combat 18-Aktivisten“ in Phillipsburg (USA) verhaftet – Verbindungen bestehen auch nach Deutschland.

Umfangreiches Netzwerk an Kontakten in der braunen Szene; (Screenshot)

Am vergangenen Wochenende sollte in  New York ein „White Power“-Treffen verschiedener Neonazi-Gruppen zur (Vor-) Feier von Hitlers Geburtstag stattfinden. Beworben wurde das Treffen auch von den Neonazi-Skinheads der „Aryan Strikeforce/Combat 18“ (ASF). Zwei Tage vor diesem Treffen wurden in Phillipsburg (New Jersey) zwei Anführer der „Aryan Strikeforce“ vom ATF (Amt für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoffe) des FBI festgenommen. Bis zu 50 FBI-Beamte waren bei der Verhaftung von Joshua „Hatchet“ Steever, dem Gründer der ASF, und Jake „Boots“ Robards, ihrem „Direktor“, im Einsatz. Bisher gibt es keine näheren Angaben über den genauen Grund der Polizeiaktion und Festnahmen. In der Vergangenheit kam es im er wieder zu Polizeiaktionen gegen Mitglieder der „Aryan Strikeforce“-Mitglieder, wie der im Oktober des Vorjahres wegen Waffen- und Drogenbesitz festgenommene „Aryan Strikeforce/Combat 18 Vinland Division President“ Ronald „Dozer” Pulcher II.

Steever ist ein in der Neonazi-Szene umstrittener gewalttätiger Skinhead mit einschlägigem Vorstrafenregister, vorbestraft unter anderem wegen Terrordrohung, Bedrohung mit Messer und einem brutalen Angriff auf einen Menschen mit einem Axtstiel – aus dem sein Pseudonym „Hatchet“ (Kriegsbeil) resultiert. Nachdem er aus der von ihm gegründeten „Aryan Terror Brigade“ (ATB) ausgeschlossen wurde, gründete Steever 2013 die „Aryan Strikeforce“ (ASF).  Sowohl Mitglieder von ATB sowie ASF sind militante Neonazis-Skins, die mit Teilen der amerikanischen Neonazi-Szene vernetzt sind, sie treten auch als „Blood&Honour“- und „Combat 18“-Strukturen auf.

Ableger in zahlreichen Ländern

Beide Gruppierungen werben auch für die neonazistische „Misanthropic Division“ und  das rechtsextreme Bataillon „Asov“ in der Ukraine. Virtuell sind sie international aktiv und haben Ableger in zahlreichen Ländern. Präsident von „Aryan Strikeforce/Combat 18 Deutschland“ ist nach eigener Online-Darstellung Roman Kische aus Königs Wusterhausen, der in einem Post die ASF als „sein Leben, seine Crew“ bezeichnet.

Steever selbst verfügt – neben seinen Kontakten in der amerikanischen Neonazi-Szene – über ein umfangreiches Netzwerk an Verbindungen. Allein sein Profil auf der russischen Social Media-Plattform vk.com verzeichnet mehr als 5800 Freunde. In Deutschland zählen dazu unter anderen Björn-Christopher Balbin von der NPD München, „Captain Flubber“ Marcel Kuschela aus dem rechtsextremen Hooligan-Spektrum „Gemeinsam-Stark-Deutschland“ (GSD), der Betreiber des rechtsextremen Versands Label33, Matthias Beier aus Gröditz oder der Neonazi Maik Teich aus Hoyerswerda („Autonome Nationalisten Hoeyerswerda“, „Die Rechte“ Sachsen).

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