International aktives braunes Netzwerk

Von Horst Freires
27.06.2019 -

Kanada hat das Neonazi-Netzwerk „Blood& Honour“ sowie „Combat 18“ als terroristische Organisationen eingestuft.

Die kanadische B&H-Sektion wirbt für ein Zeltlager vom 30. Juni bis 2. Juli; (Screenshot)

Rechtsextremistische Anschläge weltweit rütteln nun auch das Sicherheitsgefühl in Kanada auf. Erstmals wurden im nordamerikanischen Land Gruppierungen aus dem organisierten Rechtsextremismus als terroristische Bewegungen eingestuft. Die Regierung in Ottawa verpasste den kanadischen Ablegern des international agierenden Netzwerks „Blood&Honour“ sowie dessen bewaffnetem Arm „Combat 18“ dieses Etikett und folgte damit einer Expertise von Sicherheitskräften.

Im aktuellen Sicherheitsreport des Landes ist demnach nachzulesen, dass das Neonazi-Netzwerk sein Verständnis und Handeln aus der Doktrin des nationalsozialistischen Deutschlands herleite. Auf der B&H-Homepage der kanadischen Sektion wird aktuell für ein Zeltlager vom 30. Juni bis 2. Juli geworben. Speziell aus Calgary und Vancouver wurde in den letzten Jahren das Wirken von regionalen B&H-Gruppen beobachtet. B&H-Mitglieder in Kanada agierten zuvor oder parallel unter anderem in Gruppen mit Namen wie „Volksfront“ oder „Aryan Guard“.

Kontakte zu B&H-Aktivisten

Vor dem Verbot der deutschen B&H-Sektion im Jahr 2000 knüpfte und pflegte der Sänger, Gitarrist und Dudelsackspieler David Allen Surette mit dem Szene-Namen „Griffin“ Kontakte zu internationalen B&H-Gefolgsleuten, speziell auch in Deutschland. Seither gilt der frühere Kopf der kanadischen Band „Stonehammer“ (Toronto) als bestens vernetzt in der Rechtsrock-Szene. Seit etlichen Jahren hat er sich in Berlin und Brandenburg niedergelassen, verdingt sich zum Teil als Tätowierer. Erst vor wenigen Tagen trat er als Opener beim „Schild- und Schwert-Festival“ von Thorsten Heise im sächsischen Ostritz auf, konnte die spärliche Besucherzahl vor der Bühne Beobachtungen zufolge aber nicht von den Sitzen reißen.

Als derzeit wohl umtriebigste Rechtsrock-Band aus Kanada ist „Legitime Violence“ aus Quebec anzusehen. Bei einer Europa-Tournee 2015 durch Frankreich, Spanien, Italien und Großbritannien kam die 2008 gegründete Combo in Kontakt mit rechtsextremen deutschen Bands und B&H-Aktivisten, auch wenn offiziell andere Veranstalter wie zum Beispiel „CasaPound“ aus Italien oder die Kampfsportmarke „Pride“ aus Frankreich als Veranstalter agierten. „Legitime Violence“ umgibt sich mit Neonazi-Skinheads der „Quebec Stompers“ oder Aktivisten der „Dead Boys Crew“. Diese organisieren dann meist in Quebec regelmäßig Auftritte von internationalen Rechtsrock-Bands wie „In Memoriam“, „Baise Ma Hache“ (beide Frankreich), „Bronson“ (Italien), „Offensive Weapon“ (USA) oder die inzwischen aufgelösten „Pitbullfarm“ (Schweden) beziehungsweise „Les Vilains“ (Belgien).