Im Inneren von „Blood&Honour“

Von Horst Freires
22.02.2017 -

Eine unlängst bekannt gewordenen Veröffentlichung gewährt Einblicke in das Netz der konspirativ agierenden internationalen „Blood&Honour“-Bewegung.

Die B&H-Bewegung organisiert konspirativ Rechtsrock-Veranstaltungen in zahlreichen Ländern; Photo (Archiv): bnr.de

Für bis dato nicht bekannte Einblicke ins Innenleben der „Blood&Honour“-Bewegung in  Großbritannien sorgt eine unliebsame Veröffentlichung aus jüngster Zeit. Unlängst hat es ein unfreiwilliges Outing eines über 130-seitigen Fotoalbums aus B&H-Kreisen gegeben, das nun als Leak über das Internet abzurufen ist. Namentliche Zuordnungen der abgelichteten Personen geben auch regionale Bezüge preis beziehungsweise, mit welchen Aufgabenbereichen bestimmte B&H-Aktivisten betraut sind. So besitzt B&H beispielsweise eine eigens aufgestellte und bei Events einheitlich gekleidete Security-Truppe. Im Mutterland der logistischen Organisation für Rechtsrock-Konzerte auf dem gesamten Globus verfügt B&H über beinahe flächendeckende Strukturen.

Es sind nicht nur Porträtfotos von mehreren Dutzend Aktivisten, die jetzt publik gemacht wurden. Vor allem zeigen diese innerhalb ihrer Gemeinschaft umso offener ihre neonazistische Gesinnung. Gleich reihenweise sind Motive mit Hitlergrüßen zu sehen, die posierend gezeigt werden oder als „Stimmungsbarometer“ während der Konzerte betrachtet werden können – fast ausnahmslos in Begleitung sichtbarer alkoholischer Getränke. Und manch ein Abgelichteter ist mit T-Shirts zu sehen, die er wohl sonst nicht in der Öffentlichkeit anziehen würde. Etliche Aufnahmen sind bei den in der braunen Szene Kult besitzenden „Ian Stuart Donaldson-Memorial“-Festivals 2009 und 2016 entstanden.

B&H-Ableger in 24 Staaten

Donaldson war Kopf der sich stramm rechts entwickelten Skinhead-Band „Skrewdriver“ und zusammen mit dem als extrem gewalttätig auftretenden Nicola Vincenzio, besser bekannt als  Nicky Crane, 1987 Gründer des B&H-Netzwerkes. Während der 1993 nach AIDS-Erkrankung verstorbene Crane wegen seiner Homosexualität viele Jahre weitgehend in Ungnade gefallen war, wird Donaldson als Leuchtfigur der Bewegung bis heute gehuldigt und verehrt. Er verlor 1993 sein Leben durch einen tödlichen Verkehrsunfall. Mythen über angebliche Schüsse auf den Unfallwagen und damit ein Fremdverschulden des Autocrashs befeuerten erst recht die bis heute andauernde Märtyrer-Rolle von Donaldson.  

Ein Regierungsbericht zur Extremismussituation in Großbritannien aus dem Herbst 2015 spricht im Zusammenhang mit dem internationalen Netzwerk von B&H über Ableger in insgesamt 24 Staaten. In Deutschland ist die Division seit 2000 verboten. B&H-Veranstaltungen werden auch in England konspirativ organisiert. Bestes Beispiel war das „Donaldson-Memorial“-Meeting vom 23. bis 25. September 2016, als die Organisatoren unter dem Vorwand, eine musikalische Benefizveranstaltung für die soldatische Veteranenkampagne „Help For Heroes“ auszurichten, keinen behördlichen Argwohn erweckten. Realität waren dann rund 400 Besucher auf einer angemieteten Viehkoppel eines Landwirts in Haddenham/Cambridgeshire. Etliche der auch dort zeltenden Besucher kamen Beobachtern zufolge aus Deutschland.

Führerloser Widerstand als Aktionsform

Dem in Berlin wohnenden Kanadier David Allan Surette (Künstlername „Griffin“) wurde hingegen die Einreise verweigert. Bilder des jetzt bekannt gewordenen Fotoalbums zeigen ihn allerdings bei einem anderen ISD-Memorial-Konzert, bekleidet mit einer Kutte der selbst ernannten arisch-germanischen Kampfgemeinschaft „Vandalen“ aus Berlin. Und auf den Fotos findet sich mit dem Sänger Jocke Karlsson der just aufgelösten Band „Pitbullfarm“ aus Schweden ein weiterer international vernetzter Rechtsrock-Vertreter.

Auch einige wenige mutmaßliche „Combat 18“-Vertreter werden in der Veröffentlichung benannt. Die 1992 von Charlie Sargent als bewaffneter Arm von B&H gegründete Kampfgruppe wird dem Rechtsterrorismus zugerechnet. „Combat 18“ (C 18) hat sich dem führerlosen Widerstand als Aktionsform verschrieben. Mit William (Will) Browning wurde einer der führenden C 18-Köpfe 2016 zweimal in Dortmund angetroffen, der sich sonst in der jüngeren Vergangenheit eher öffentlichkeitsscheu gegeben hatte. Er beteiligte sich am Neonazi-Aufmarsch zum „Tag der deutschen Zukunft“ am 4. Juni und war ebenfalls am 8. Oktober beim Aufzug der rechtsradikalen Hooligan-Gruppierung „Gemeinsam Stark Deutschland“ mit dabei. Browning gehörte zeitweilig zur Rechtsrock-Band „No Remorse“. Auch, als diese 1996 ihren in Deutschland indizierten Tonträger „Barbecue in Rostock“ einspielten – eine Anspielung auf die gewalttätigen Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Erst vor wenigen Wochen berichtete unter anderem die „Süddeutsche Zeitung“, dass „Combat 18“ offenbar hierzulande wieder aktiv sei.

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