Identitäre“ auf „Mission“ im Mittelmeer

Von Andrea Röpke
17.05.2017 -

Die „Identitäre Bewegung“ hisst ihre Fahnen auf einem Traditionsschiff in Bremen, um auf ihre kleine Blockadeaktion im Mittelmeer hinzuweisen. Ein Umschwenken von der Protest- zur Kampfgemeinschaft wird deutlich.

„Identitäre“ haben „Beck's Schiff“ in Bremen gekapert, um auf ihre menschenverachtende Aktion im Mittelmeer aufmerksam zu machen; Screenshot © A.R.

Vor wenigen Tagen kaperten ein knappes Dutzend Anhänger der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ in Bremen den als „Beck‘s“- Schiff bekannten Segler „Alexander von Humboldt“ an der Schlachte. Auf dem legendären Schiff, dass zentral an der Weser ankert und als Restaurantschiff dient, hissten sie ihre gelben Fahnen mit dem Lambda-Symbol sowie ein Banner mit der Aufschrift „Festung Europa! Grenzen schützen – Leben retten. Hilfe vor Ort statt Asylwahn“

Doch die „Identitären“ wollen keinesfalls das Leben der Flüchtlinge, sondern laut eigener Videobotschaft „Europa retten“. Die Bremer Aktivisten unterstützen die Kampagne der IB, Hilfsorganisationen, die Menschenleben im Mittelmeer retten, zu behindern. Die Jugendorganisation der Neuen Rechten, die der „Jungen Alternative“ nahe steht, fordert geschlossene Außengrenzen für Europa.

Seenotretter am Auslaufen behindert

Mit einem kleinen Boot starteten „Identitäre“ in der vergangenen Woche „ihre Mission“ in Italien. Sie fuhren im Hafen der  sizilianischen Stadt Catania vor den Bug der „Aquarius“, einem Schiff der Hilfsorganisation SOS Mediterranee, und behinderten diese kurzzeitig am Auslaufen. Die Hafenbehörde griff ein. Die „Aquarius“ konnte erneut in Richtung libyscher Küste aufbrechen, um weiterhin Geflüchtete in Seenot zu retten. Sie war im Februar von Bremerhaven aus in Richtung  Mittelmeer gestartet. Die extremen Rechten bezeichnen die NGO als „kriminelle Schlepper“, die am internationalen Menschenhandel beteiligt seien und vermarkten ihre kleine Aktion in den sozialen Netzwerken. Allerdings: Die Hilfsorganisation SOS Mediterranee erhält 2017 den deutsch-französischen Medienpreis. Sie leiste einen „unverzichtbaren Beitrag“ und sei „dann zur Stelle, wenn andere wegschauen“, erklärt der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist. Tausende Flüchtlinge seien in den letzten Jahren vor dem sicheren Ertrinken gerettet worden. „Das verdient unseren größten Respekt“, heißt es.

Die „Identitären“ befinden sich nach eigenen Angaben auf einer „Mission“ und wollen ihre „Aktivitäten im Mittelmeer“ verstärken, dafür sammeln sie Spenden und fordern Unterstützung von nationaler Seite. Das sie „Europa verteidigen“ würden, hätten sie mit der kleinen Aktion bewiesen.

Eine Art „patriotisches Greenpeace“

Die „Identitäre Bewegung“ will eine Art „patriotisches Greenpeace“ sein. Das erklärte deren österreichischer Vordenker Martin Sellner. Bisher ähnelten die Protestaktionen der IB aber weniger denen engagierter Umweltschützer als vielmehr dem Kopieren alter Aktionsformen wie unter anderem der „Konservativ-Subversiven Aktion“ um Götz Kubitschek. Etwa nach dem Motto: Stören, besetzen, provozieren und schnell verschwinden. Wenig Diskussionen, kaum Auseinandersetzungen. Kritik prallt an der Organisation ab, da sie real kaum erreichbar ist. Auf ihrem Account lassen sie  Widerspruch so gut wie gar nicht zu. Es geht primär um öffentliche Provokationen mit anschließender Selbstdarstellung im Internet. Ästhetisches In-Szene-setzen spielt eine große Rolle, um die Bewegung heroisch zu präsentieren und Anhänger zu rekrutieren.

Nun scheinen die „Identitären“, zu denen ohnehin auch völkische Nationalisten zählen, verstärkt auf Drill und Militanz zu setzen. In ihren Videos, auch der „Generation Identitäre“ aus Frankreich, sind sie beim Frühsport, Kampfsport und Strammstehen zu sehen. Mit der aktuellen Kampagne „Defend Europe“ machen sie das, was zuletzt die NPD propagierte, sie gerieren sich als Kampfgemeinschaft.

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