Hass auf Juden in Liedtexten

Von Horst Freires
31.05.2018 -

Antisemitismus zieht sich wie ein brauner Faden durch den Rechtsrock.

Antisemitismus als regelrecht fester Bestandteil des Rechtsrocks; (Screenshot)

Mit der Veröffentlichung „Weltbürgertum statt Vaterland“  – Untertitel: „Antisemitismus im Rechtsrock“ – hat Timo Büchner eine Fleißarbeit abgeliefert. Der Autor hat sich dafür 230 Alben aus dem neonazistischem Spektrum angehört. Er stellt fest, dass sich das Feindbild Juden und der Hass auf sie innerhalb des Rechtsrocks wie ein durchgehend brauner Faden durch die Liedtexte zieht, ja regelrecht fester Bestandteil dieser ist.

Mit dem Skandal rund um die Echo-Verleihung für die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang sowie der Folgedebatte darum findet das Buch sogar ungewollt eine aktuelle Diskussionsplattform. Wenn Büchner beinahe akademisch herzuleiten versucht, weshalb er sich an der Schreibweise Rechtsrock stört und vielmehr RechtsRock bevorzugt, arbeitet er sich an einem Nebenschauplatz ab. Wenn er aber in die Textanalyse geht und dazu zahlreiche Beispiele für antisemitisches Gedankengut oder entsprechende Metaphern dafür auflistet, dann gelingt ihm eine dokumentarisch wertvolle Zusammenstellung und Einordnung.

Rückgriff auf antisemitische Stereotype

Büchner seziert Texte und Refrains mit gebührender Tiefenschärfe, dechiffriert sie und stellt fest, dass offener Antisemitismus selten anzutreffen ist, würde er doch Gefahr laufen, bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf dem Index zu landen. Aber verschlüsselte Botschaften finden sich dafür umso mehr, etwa wenn „Legion of Thor“ 2013 in ihrem Stück „Bilderberger“ vom Großkapital singen (S. 99). Ob Hochfinanz, Haken- oder Krummnase (S. 62/63) sowie Löckchen – auf altbekannte begriffliche antisemitische Stereotype wird immer wieder zurückgegriffen, gerade auch im Kontext mit den USA, der so titulierten Ostküste oder der ZOG (Zionist occupied Government).

Timo Büchner hat sich überwiegend älterer Aufnahmen wie beispielsweise von „Landser“, „Macht & Ehre“ oder „Race War“ angenommen, das kann man ihm als Schwachpunkt auslegen. Unter den Musikveröffentlichungen neueren Datums hat er sich mit Beiträgen des NS-Rappers „MaKss Damage“ beschäftigt, der vor einigen Jahren von der linksalternativen in die rechte Szene gewechselt ist.

In Zeiten von zunehmend sichtbarem Antisemitismus richtet das Buch die Aufmerksamkeit auf ein wichtiges Themenfeld. Schließlich gilt doch gerade der Rechtsrock als so genannte Einstiegsdroge ins rechtsextreme Milieu, insbesondere für die ganz junge Generation. Büchner zeigt sich auch mit Blick auf seine Quellenfundstellen als akribischer Autor, ein Stichwortverzeichnis wäre ein zusätzlicher nützlicher Serviceteil gewesen.

Timo Büchner, Weltbürgertum statt Vaterland – Antisemitismus im Rechtsrock, Münster 2018, Edition Assemblage, 112 Seiten, 12,80 Euro; ISBN 978-3-96042-033-0.

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