Hakenkreuze auf jüdischen Gräbern

Von Anton Maegerle
20.12.2019 -

Im Elsass wurden in den vergangenen Monaten mehrfach jüdische Friedhöfe geschändet. Eine Spur führt möglicherweise nach Deutschland.

Hakenkreuzschmierereien auf jüdischen Gräbern im Elsass; Photo (Symbol): bnr.de

In der Nacht zum 3. Dezember wurden 107 schwarze Hakenkreuze auf Grabsteine des jüdischen Friedhofs in Westhoffen, am Fuß der Vogesen an der Elsässer Weinstraße gelegen, geschmiert. Auf einem Grabstein am Friedhofseingang prangte der Neonazi-Zahlencode „14“ des US-amerikanischen Rechtsterroristen David Lane: „We must secure the existence of our people and a future for White children". (Sinngemäß: Wir müssen die Existenz unseres Volkes und eine Zukunft für die weißen Kinder sichern.)

Kapuzentruppe hinter EWK?

Ähnliche neonazistische Schmierereien wurden in dieser Nacht auch am Rathaus und der Synagoge von Schaffhouse-sur-Zorn, knapp 20 Kilometer von Westhoffen entfernt, hinterlassen. Die Rathauswand wurde mit „14/88“ und dem Kürzel „EWK“ besudelt. Hinter dem Kürzel „EWK“ vermutet die Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ die am 1. Oktober 2000 ins Leben gerufene antisemitische und rassistische Gruppe „European White Knights of the Ku Klux Klan – Realm of Germany” (EWK KKK).

Die Kapuzentruppe EWK KKK hatte nach dem Auffliegen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) für bundesweite Schlagzeilen gesorgt. Ein Polizeibeamter, der dem EWK KKK angehörte, war Gruppenführer der am 25. April 2007 auf der Theresienwiese in Heilbronn ermordeten Polizeibeamtin Michele Kiesewetter. Hinzu kam, dass ein „Kleagle“ (Anwerber) des EWK KKK nicht nur als V-Mann „Corelli“ beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) unter Vertrag stand, sondern auch auf einer Telefonliste des NSU-Terroristen Uwe Mundlos. Die von einem baden-württembergischen Neonazi gegründete EWK KKK gilt seit 2003 als inaktiv.

Hinweise auf „Elsässische Kampfgruppe“

Im Dezember 2018 waren der jüdische Friedhof in Herrlisheim und im Februar 2019 der jüdische Friedhof in Quatzenheim geschändet worden. In Quatzenheim wurden 96 Gräber mit Hakenkreuz-Schmierereien und antisemitischen Schriftzügen beschmiert und Hinweise auf eine „Elsässische Kampfgruppe – die Schwarzen Wölfe“ hinterlassen. Die Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre aktiven Rechtsterroristen der „Elsässischen Kampfgruppe“ verübten unter anderem einen Anschlag auf die im Elsass gelegene KZ-Gedenkstätte Struthof und auf französische Denkmäler. Die rechtsterroristische Gruppierung wurde 1981 zerschlagen.

Die Orte Westhoffen, Herrlisheim und Quatzenheim mit ihren jüdischen Friedhöfen liegen in einem Umkreis von rund 30 Kilometern von der Europa-Hauptstadt Strasbourg entfernt.